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INTERVIEW MIT MOURAD JAOUAT

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Unser Videospezialist Mourad Jaouat war auf Lesbos als freiwilliger Helfer und Dokumentarfilmer unterwegs. In unserem Interview erzählt er über seine Erfahrungen in den Lagern der Flüchtlinge, mit den freiwilligen Helfern und über kleine Gesten, um “Willkommen” zu sagen.

 

Hallo Mourad, du warst vor kurzem in Lesbos, Griechenland, um die gegenwärtige Lage in den Flüchtlingscamps zu dokumentieren. Erzähl uns etwas über dein Projekt.

 

Hallo Marco! In meinem Projekt geht es primär um das Ankommen geflüchteter Menschen in Europa und deren Weiterreise auf der Balkan Route. Mich interessiert, wie sie Willkommen geheißen werden. Nach den schrecklichen Nachrichten aus Syrien, die uns alle erreicht haben, möchte ich wissen, welche Art der Solidarität diesen Menschen entgegen gebracht wird und von wem.

 

8_Max_Bondy_Mourad_Jaouat_Foto_Meyer © Max Bondy

 

Auf meiner ersten Reise nach Ungarn habe ich schnell gemerkt, dass ich dieses komplexe Thema in der Rolle des (Video-) Journalisten nicht festhalten konnte. Daher entschied ich mich für den Dokumentarfilm, um nicht weiter von Nachrichtenagenturen abhängig zu sein und den nötigen Weitblick zu erlangen und behalten zu können.

 

Ich sehe zunehmend die Gefahr, dass Flüchtlinge in den Medien hauptsächlich als homogene Gruppe dargestellt werden. Meiner Meinung nach, wird dadurch aber eine Integration für den Einzelnen erschwert.

 

4_Max_Bondy_Mourad_Jaouat_Foto_Meyer © Max Bondy

 

Mein Ziel ist es, Menschen für diese Krise zu sensibilisieren. Überall in Europa wenden sich unsere Mitmenschen aus Angst den Rechtspopulisten zu. Wir müssen ihnen positive Möglichkeiten der Integration zeigen, um ihren Horizont zu erweitern.

 

 

Wie war die Situation, die du vor Ort in den Lagern vorgefunden hast?

 

Auf Lesbos habe ich den ersten Kontakt mit Europa dokumentiert. Die Lage ist immer noch sehr kritisch, nicht alle Lager – da sie weitestgehend von freiwilligen Helfern organisiert werden – sind gut strukturiert. Freiwillige Helfer befinden sich nur eine begrenzte Zeit in den Lagern. Durch die meist selbstfinanzierten Reisen, ändern sich regelmäßig die Größe der Mannschaften und somit auch die Bedingungen.

 

1_Max_Bondy_Mourad_Jaouat_Foto_Meyer © Max Bondy

 

Neue Hände müssen zunächst eingearbeitet werden. Die Regierung kümmert sich, aus kleinen Containern heraus, um die polizeiliche Registrierung und den Transport von Familien in die Lager, nicht um Verpflegung oder Unterkünfte für die Flüchtlinge.

 

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Große Nichtregierungsorganisationen sind so gut wie abwesend, UNHCR versucht zu koordinieren und Ärzte ohne Grenzen stellen kleine Teams von Medizinern, die aber alle nicht mit der Effizienz von freiwilligen Helfern zu vergleichen sind. Vom Koch bis zum Arzt sind alle möglichen Professionen unter ihnen zu finden. Ohne die Hilfe dieser Freiwilligen würden wir nicht von einer Krise, sondern von einer Katastrophe sprechen.

 

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Deine Familie kommt ursprünglich aus Marokko und du beherrscht die arabische Sprache. Welchen Einfluss hatten deine Sprachkenntnisse bei deiner Arbeit als Journalist in den Lagern?

 

Bei der Arbeit versuche ich bewusst erstmal nicht darauf aufmerksam zu machen, dass ich Arabisch spreche. Es wäre natürlich einfacher dadurch Vertrauen aufzubauen und intensive Interviews aufzunehmen, doch die Verantwortung ist um ein vielfaches größer, da Geflüchtete mehr fragen an mich haben als ich an sie. Bei meiner ersten Reise hatte ich die naive Vorstellung, dass alle Menschen die so eine Reise antreten sehr organisiert und vorbereitet sind, doch das trifft auf die wenigsten zu. Wenn man diesen Menschen das erste Mal begegnet, versteht man, dass es sich um Flucht und nicht um eine Reise handelt.

 

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In Ungarn fragte mich einmal nachts eine Gruppe von über 50 Menschen, in welchem Land sie jetzt seien.

Sie alle haben die gleichen Fragen: Wo sind wir? Wird man hier registriert? Wo müssen wir jetzt lang? In welches Land sollen wir reisen? Schicken sie uns wieder zurück? Es ist eine menschliche Herausforderung Fragen zu beantworten, die vielleicht die Zukunft dieser Menschen beeinflussen könnte.

 

10_Max_Bondy_Mourad_Jaouat_Foto_Meyer © Max Bondy

 

9_Max_Bondy_Mourad_Jaouat_Foto_Meyer © Max Bondy

 

Auf Lesbos musste ich um 3 Uhr morgens im Kara Tepe Camp für viele syrische Familien bei der polizeilichen Registrierung übersetzen. Es gab nur einen Mitarbeiter vom UNHCR und zwei griechische Polizisten, die alle drei kein Arabisch sprachen. Mit einigen der Familien bin ich heute noch über WhatsApp und Facebook in Kontakt. Ich denke, meine Sprachkenntnisse haben eher menschlich, als journalistisch geholfen.

 

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In einer deiner vorherigen Reisen hast du einen Flüchtlingszug in Serbien und Ungarn begleitet. Wie unterscheiden sich deine Erfahrungen?

 

Die Euphorie, die Flüchtlinge beim sicheren Landen an der griechischen Küste haben – was wahrlich nicht selbstverständlich ist –, verfliegt relativ schnell, sobald Sie die Balkanstaaten erreichen.

Die europäischen Länder machen es ihnen entweder bewusst oder aus Überforderung sehr schwer diese Hürde zu passieren. Kälte und Nässe machen das Reisen ohne nächtliche Unterkunft nicht nur schwer, sondern auch gefährlich, besonders für alte Menschen, Kranke und Kleinkinder. Diese Gruppen stellen meistens auch die ersten Opfer von Schleppern innerhalb Europas dar, da sie auf „Taxis“ angewiesen sind, um sicher weiter zu reisen. Berichte von Raub und fremdenfeindlicher Gewalt sind leider alltäglich und überschatten die couragierten Einsätze von Einheimischen, die den Flüchtlingen in ihrer Not helfen.

 

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Flüchtlinge und Helfer erleben extreme Situationen in den Camps und auf der Reiseroute. Gibt es ein besonderes Erlebnis, dass du mit uns teilen möchtest?

 

Sehr viele! Doch die letzte Situation, die mich sehr beeindruckt hat, war an der Küste zwischen Molyvos und Skala Sikaminias auf Lesbos. Dort arbeitet Soto, ein griechischer Rettungsschwimmer, der in Hamburg studiert hat. Sotos Aufgabe war es, mit den anderen inoffiziellen Greek Lifeguards ankommende Boote an die Küste zu navigieren und für Ruhe zu sorgen, um alle sicher auf das Festland zu bekommen. Soto hat dabei so oft wie möglich seinen Handschuh ausgezogen und noch am Boot mit einem breiten Grinsen seine Hand zur Begrüßung gereicht und „welcome“ gesagt. Manchmal sind es einfache, kleine Gesten, die zählen.

 

 

Du bist mit sehr leichtem ‘Gepäck’ gereist. Als Kamera hast du die Sony A7s dabei gehabt, eine kleine leichte Vollformat-Systemkamera, mit optimierten Videofuntionen. Wie sah dein Set-Up insgesamt aus und welche Vorteile haben sich daraus für dich ergeben?

 

Es war für mich wichtig sehr mobil zu sein, da ich die meiste Zeit mein komplettes Equipment und Gepäck beim Drehen auf dem Rücken hatte. Gereist bin ich mit Rent Equipment, das von Foto Meyer und Sony zur Verfügung gestellt wurde. Dazu gehörte u.a. die schon erwähnte Sony Alpha 7s und 4 Objektive: das Sony Zeiss 16-35 /4, das Sony Zeiss 24-70 /4 sowie dem Sony G 70-200 /4 und Sony G 28-135 /4.

Den Ton habe ich mit einem XLR Mikrofon aufgenommen, dem XLR-K2M. Über den Multi Interface Schuh kann das Mikrofon direkt an die Alpha 7s angesteckt werden. Über das K2M lief dann auch die Sony Funkstrecke UWP-D11.

Der größte Vorteil an diesem Setting, bestand in den Momenten, in denen ich nicht gefilmt habe. Denn um ausdrucksstarke Bilder einfangen zu können, muss man zunächst einmal nah herankommen. Mit der kleinen Sony A7s sieht man nicht so bedrohlich aus. Man hat die Kamera um und unterhält sich mit jemanden, ohne dass er sie zunächst wirklich wahrnimmt. Wenn ich dann im Gespräch die unbedrohlich wirkende A7s hochziehe und nur mit einem kleinen Blick auf die Kamera ein Nicken erbitte, läuft das Gespräch in den meisten Fällen authentisch weiter, ohne Furcht vor der Kamera. Solche Momente können über den Inhalt einer Aufnahme und letztendlich das Ergebnis des ganzen Films entscheiden.

 

Etwas richtig planen fällt mir bei meinen Dokumentarfilmen sehr schwer, da niemand auf mich wartet, um Licht aufzubauen. Oftmals kann eine LED Lampe auf der Kamera aber das Ergebnis stören. Deshalb ist es beruhigend zu wissen, dass man mit der Sony A7s auch in High-ISO-Bereichen brauchbares Material bekommen kann.

 

Technisch war für mich der extrem lichtempfindliche Sensor sehr wichtig, dadurch konnte ich auch nachts weiterarbeiten und habe Drehzeit gewonnen.

 

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Die Kamera wurde sogar nachts zur Flüchtlingssichtung auf See an der griechischen Küste genutzt, was bei manchen Begleitern für Begeisterung und offene Münder sorgte.

 

 

 

Es gibt mittlerweile einige Hilfsgruppen, die die Flüchtlinge in Lesbos unterstützen. Wie kann man nach deinen Erfahrungen den Flüchtlingen vor Ort am besten Hilfe zukommen lassen?

 

Falls man Bekannte hat, die sich engagieren und denen man vertraut, sollte man sie unterstützen.

Spendengelder an größere Nichtregierungsorganisationen sind wichtig, doch wenn man geflüchteten Menschen auf der Balkan Route helfen will, kann man mit solchen Spenden mitunter nicht viel ausrichten. Denn aktive Hilfe leisten dort meist freiwillige Helfer aus der ganzen Welt. Nach meinen Erfahrungen, reisen viele der Freiwilligen aus Lesbos und anderen Brennpunkten nur deshalb wieder ab, weil Ihnen das Geld zum Helfen ausgeht.

 

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Gerade jetzt bei den sinkenden Temperaturen sind Kleiderspenden äußerst wichtig. Im Internet kann man leicht auf Facebook Seiten stöbern, wer mit einem Konvoi runterfährt.

 

Wir danken Max Bondy, dass wir seine Dokumentarfotografien für unseren Beitrag benutzen dürfen. Er ist mit Mourad Jaouat auf der Balkanroute und auf Lesbos zusammen gereist.

 

Wenn Sie gerne helfen möchten, finden Sie u. a. auf diesen Seiten weitere Informationen:

 

Aktion Deutschland Hilft

flüchtlingshilfe.berlin

Refugee Support Tour

 

 



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