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INTERVIEW MIT EUGEN KAMENEW

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Durch seinen Vater hat der Astrofotograf schon früh die Liebe zur Astronomie entdeckt und bereits als Junge mit Langzeitbelichtungen experimentiert. Heute reist der “Astrophotographer of the Year 2014” in die entlegensten Regionen der Welt, um seine einzigartigen Bilder einzufangen. In unserem Interview erklärt Ihnen Eugen Kamenew den Reiz an der Astrofotografie.


Guten Tag, Eugen Kamenew! Zunächst verrate uns doch bitte, was deine erste Kamera war?

 

Eine Smena 8M. Eine Ikone der Lomographie. Von meiner Mutter zu meinem zwölften Geburtstag bekommen, begann für mich somit die Ära der analogen Fotografie. Das Beste an dieser Kamera war, dass man sie nur manuell bedienen konnte. Zwar hatte sie nur eine maximale offene Blende von f4.0, dafür aber einen mechanischen Langzeitbelichtungsverschluss BULB. Dadurch konnte ich die faszinierende Welt der Langzeitfotografie für mich entdecken, indem ich nachts eine Langzeitbelichtung von mehreren Stunden ausprobierte. Da der Verschluss komplett mechanisch gehalten wurde, verzichtete man völlig auf jegliche Batterieversorgung und so konnte man den Verschluss theoretisch unendlich lange offen halten. Da der analoge Film bei der längerer Belichtungszeit nicht progressiv rauschanfälliger wurde, hat auch dieser Aspekt extrem lange Belichtungszeiten ermöglicht. Der gesamte Prozess der Aufnahmetechnik verlangte ein grundlegendes Verständnis der Fotografie: von der Auswahl des richtigen Filmes für die spezifische Situation, bis zu der Entwicklung in der Dunkelkammer. Ich schrieb alle technischen Belichtungsparameter auf, wie Blende, Verschlusszeit und später bei den analogen Spiegelreflexkameras auch die Brennweiten, damit ich nach der Entwicklung das Resultat nachvollziehen konnte. Damit hat sich nach langer Zeit ein großer Erfahrungsschatz akkumuliert, den ich heute als Dozent in meinen digitalen Fotokursen als fundamentale Lernbasis verwende.

 

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Was ist der besondere Reiz für dich an der Astrofotografie?

 

Durch meinen Vater habe ich die Liebe für die Astronomie entdeckt. Es war für mich im Laufe der Zeit eine logische Konsequenz, die beiden Welten der Astronomie und der Fotografie in sich zu verbinden. So haben sich Astronomie und Fotografie zu einer Einheit, der Astrofotografie, verschmolzen. Den besonderen Reiz der Astrofotografie empfinde ich in deren Unendlichkeit und Ewigkeit. Meine Fotomotive sind überwiegend Menschen in einem kosmologischen Kontext. Auf der astronomischen Skala der Unendlichkeit wirkt das menschliche Leben als Wimpernschlag. Die Astrofotografie konserviert diesen fragilen Augenblick für die Ewigkeit und damit für die nachfolgenden Generationen, solange die menschliche Zivilisation und damit das Computerzeitalter existiert. Meine Hoffnung besteht darin, dass meine Astrofotos das Bewusstsein beim Betrachter wecken, dass wir alle auf einem fragilen und schützenswerten Heimatplaneten Erde leben. Wir sollten lernen, friedlich miteinander zu koexistieren.

 

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Eines deiner Bilder, das während einer Sonnenfinsternis in Kenia entstanden ist, hat dir den Preis der Greenwich Royal Observatory als „Astrophotographer of the Year 2014“ in der Kategorie „People and Space“ eingebracht. Was bedeutet das für dich und deine Fotografie?

 

Als Erstes ist es eine sehr wichtige fachmännische Anerkennung für mich persönlich. Die Voraussetzung für den wichtigsten internationalen Astrofotografie-Wettbewerb war die Authentizität, d.h. die Echtheit der Bilder. Diese wurde mit originalen RAW-Dateien geprüft. Die Wettbewerbsregeln besagten, dass es keine digitalen Manipulationen in Form eines Composings geben durfte. Die Zweifel an der Echtheit meiner Aufnahme waren sehr groß. Die Reaktion der Jury war aber absolut überwältigend. Denn mit diesem Foto habe ich für mich ein neues Kapitel in der Geschichte der Astrofotografie geschrieben. Ich war tatsächlich einer der wenigen Astrofotografen weltweit, denen es möglich war, einen lebenden Menschen ohne jegliche Bildmanipulationen vor einer Totalen Sonnenfinsternis zu positionieren. Der Grund für mein Erfolgskonzept war erstmals meine Vision, dass es überhaupt möglich sei. Ich habe mich immer gefragt, wieso es unzählige Fotos von Totalen Sonnenfinsternissen gibt, die alle mehr oder weniger gleich aussehen. Ich wollte diesen Sachverhalt ändern, indem ich nicht nur eine revolutionäre kompositorische Ästhetik ins Leben rief, sondern, was viel wichtiger ist, eine neue symbolische Aussagekraft transportierte.

 

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In dem besagten Bild sowie in vielen deiner anderen Bilder finden wir einen Menschen, der das beeindruckende Naturphänomen begleitet. Das ist zunächst eher ungewöhnlich. Wie bist du zu diesem Stilmittel gekommen und gibt es eine bestimmte Aussage, die du damit treffen möchtest?

 

Exakte mathematische Triangulationen in Kombination mit der Verwendung geografischer Profile und der astronomischen Koordinaten des Events in Rektaszension und Deklinationsachsen sind die Zutaten für meine Bildkompositionen. Meine Fotomodelle sind meistens mehr als einen halben Kilometer von mir entfernt. Unter Einsatz der extremen Telebrennweiten entsteht dadurch die optische Illusion, dass die menschlichen Silhouetten gerade so etwas kleiner als der sichtbare Mond- und Sonnendurchmesser sind. Die Teleoptiken verdichten und komprimieren die räumlichen Ebenen in einem Bild auf einem Level. In der Realität ist mein Fotomodell ca. 1 km, der Mond 384 700 km und die Sonne 149 Millionen km von mir entfernt.

 

Meine terrestrischen Fotomodelle sind jedes Mal verschieden, vom französischen Pärchen in Australien bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis bis zum kenianischen Massai in Afrika bei einer hybriden Sonnenfinsternis. Die konsequente Essenz meiner Bildaussagen ist folgende: Obwohl wir ethnisch, kulturell, ökonomisch oder politisch verschieden sind, sind wir doch eine gemeinsame menschliche Zivilisation.

 

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Du wurdest in Tokyo als offizieller Fujifilm-X-Photographer ausgezeichnet und bist für Fujifilm als Vortragsredner und Dozent deutschlandweit unterwegs. Was begeistert dich an dem X-System und welche Kameras, bzw. Objektive sind deine Favoriten, insbesondere für deine Fotoarbeiten?

 

Fujifilm hat mir eine neue fotografische Dimension eröffnet, die mir bis dahin verschlossen blieb. Als globaler Expeditionsfotograf ist es für mich essenziell wichtig, dass ich leicht und flexibel unterwegs sein kann. Genau das erfüllen die Fujifilm-Systemkameras hervorragend. Wenn ich an die Fujifilm X-100T denke, so ist sie mein ständiger und treuer Begleiter, vor allem wenn es darum geht, schnell und flexibel auf eine Situation reagieren zu können.

 

Trotz ihrer Kompaktheit haben alle Fujifilm-Systemkameras einen großen Fujifilm X-Trans-CMOS-Sensor. Durch die chaotische Pixelverteilung ist die Farbfilteranordnung so konstruiert, dass kein Moire-Effekt entsteht und dadurch wird auf den Tiefpassfilter verzichtet. Das Resultat ist eine extrem hohe Bildqualität, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Rauschverhalten der Fujfilm Sensoren bei hohen ISO-Zahlen exzellent.

 

Zu der hochauflösenden Bildqualität tragen Fujinon-Objektive bei. Ich liebe alle Fujinon-Festbrennweiten, weil sie alle extrem lichtstark sind. Das Zusammenspiel zwischen asphärischen Fujinon-Linsen und dem Fujifilm-X-Trans-CMOS-Sensor ermöglicht mir in der Astrofotografie, aber auch bei Fotografien in anderen Genres, nie da gewesene Bilder zu schießen.

 

Die Robustheit und Zuverlässigkeit der Fujifilm X-T1 und Fujifilm X-Pro2 ist bemerkenswert. Sei es im strömenden Regen bei der Gewitterfotografie, der staubigen Wüste in Kasachstan oder im arktischen Klima Norwegens beim Zeitraffer der Polarlichter: die Fujifilm-Kameras haben mich nie im Stich gelassen.

 

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Wie bereitest du dich auf deine Expeditionen und Shootings vor?
Man kann sich gar nicht 100%ig darauf vorbereiten. Es ist jedes Mal anders. Die Sonnen- und Mondfinsternisse, Polarlichter, Meteoritenregen, Planetenkonstellationen diktieren mir jedes Mal, wann und wo ich sein soll. Es sind so viele Aspekte, die eine Rolle spielen, wie Klima und Wetter, Logistik und Transport, Politik und Sicherheit, dass jedes Mal die Karten neu gemischt werden. Es sind meistens die entlegensten Regionen der Erde, die mich zu sich rufen. Von der arktischen Kälte nördlich des Polarkreises in Spitzbergen, bis zum tropischen Regenwald in Indonesien am Äquator.

 

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Hast du einen Tipp für unsere Leser, die eventuell gern mit der Astrofotografie experimentieren möchten?

 

Bei allem, was man im Leben tut, sollte man innere Zufriedenheit und Inspiration erfahren. Die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Foto ist die, niemals aufzugeben und seiner Vision treu bleiben. Die meisten meiner Aufnahmen werden erst im Kopf geboren und dann realisiere ich es fotografisch in der materiellen Welt. Das ist das Magische an der Fotografie, dass vieles was wir uns visuell vorstellen können, auch fotografisch realisierbar ist.

 

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Gibt es für dich einen Ort, an den du immer wieder zurückkehrst, um zu fotografieren?

 

Ja und dieser Ort ist unser gesamter blauer Planet Erde! Es gibt keine besonders wichtige Location, zu der ich bewusst zwei Mal hingehen würde. Der Grund dafür ist ganz einfach. Das menschliche Leben reicht einfach nicht aus, um alle potenziell interessanten Orte der Erde mehrmals zu besuchen. Jede Location ist fotogen. Es hängt nur von der Intention und dem Interesse des individuellen Fotografen ab. Als menschliche Wesen sind wir an Zeit und Raum gebunden. Indem man eine Location zwei Mal besucht, vergibt man die Chance, einen anderen Ort fotografisch neu zu entdecken.

 

 

Mehr von Eugen Kamenew finden Sie hier:

 

www.instagram.com/kamenewphotography/

 

www.flickr.com/photos/65100187@N05/

 

www.youtube.com/user/EugenKamenew

 

www.kamenew.net

 

 

 



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