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INTERVIEW MIT DEM FOTOGRAFEN OLIVER BETKE

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Der Fotograf Oliver Betke hat die seltene Erfahrung hinter der Kamera, als auch vor der Kamera zu stehen. Während seiner Karriere als Schauspieler entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie und erzählt in unserem Interview, wie er beide Laufbahnen erfolgreich für seine Portraitfotografie verbinden kann.

 

Hallo Oliver, zunächst verrate uns doch bitte welche deine erste Kamera war?

 

Schöne Erinnerung. Eine Agfamatic „Ritsch-Ratsch-Klick“ 2000 mit einer Menge Blitzwürfeln zum 8ten Geburtstag. Kamera und Würfel haben mir lange Zeit viel Spaß gemacht und ich wünschte, ich hätte sie heute noch. Ernster und ambitionierter ging es dann in den 80ern mit einer Minolta-Dynax 5 los. Während meiner Schulzeit hab ich bei Minolta in Hannover im Lager gearbeitet. Das war natürlich verpflichtend. Der Dynax-Serie bin ich dann auch länger treu geblieben, bis ich Mitte der 90er zu Nikon wechselte.

 

 

Du hast einen sehr interessanten beruflichen Hintergrund ­- eine Karriere als Schauspieler und ebenso als professioneller Fotograf. Lässt sich das „Vor und Hinter der Kamera“ gut miteinander verbinden? Hilft der Schauspieler dem Fotografen?

 

Perfekte Verbindung und unbedingte Hilfe. Zumindest in Bezug auf die Schauspieler-Fotografie. Ohne den Schauspieler, der nebenher immer auch Lust aufs Fotografieren am Set oder im Theater hatte, gäbe es den heutigen Fast-Nur-Noch-Fotografen nicht. Das hat sich in den letzten Jahren sehr spannend bei mir verlagert. Durch das „Vor der Kamera“ und die Notwendigkeit, sich immer wieder mit aktuellen Fotos bei Filmproduktionen und Castern präsentieren zu müssen, hatte ich als Schauspieler über 20 Jahre Shootings mit diversen Fotografen. Da waren gute und auch nicht so gute dabei, aber lehrreich für meine jetzigen Shootings als Fotograf waren sie alle sehr. Vor allem, was die Arbeit mit Schauspielern angeht. Ein sehr komplexes und sensibles Thema, für das man eigentlich einen Extra-Workshop für interessierte Fotografen ins Leben rufen sollte.

 

Die Zeiten, allein klassisch gut ausgeleuchtete und gefällige Bilder von einem Schauspieler oder einer Schauspielerin im Hochformat zu machen, sind lange vorbei. Schauspieler(innen) müssen sich mehr denn je individuell aus der immer größer werdenden Masse hervorheben und Agenturen, Besetzer(innen), Sender-Redaktionen, Filmproduktionen, Regisseur(innen) etc. wollen mehr, als nur das eine schöne und nette Bild sehen.

 

Neben der klassischen Positionierung im guten Licht spielt mittlerweile auch die individuelle Typisierung der jeweiligen Schauspieler eine sehr große Rolle. Wie zeige ich die Person natürlich und privat, aber was steckt da eventuell noch mehr an interessanten Facetten in der Person. Wie bringe ich die- oder denjenigen dazu, mir diese zu zeigen, wie erkenne ich sie und wie halte ich sie dann natürlich und glaubwürdig fest? Das, unter anderem, bedeutet eine längere Vorbereitung und eine sehr viel intensivere Shooting-Arbeit, als es noch vor einigen Jahren der Fall war.

 

Den größten Fehler den Fotografen mit einem Schauspieler oder einer Schauspielerin immer wieder machen, ist zu glauben, sie würden von ganz alleine loslegen und sich zeigen wollen und man müsse nur zur richtigen Zeit abdrücken. Bei einigen wenigen mag das der Fall sein, aber beim Großteil ist genau das Gegenteil der Fall. Der Fotograf muss zum Regisseur werden, der klare Ideen und Ansagen haben und machen sollte. Ansonsten passiert gar nichts und beide Parteien stehen sich nur frustriert gegenüber.

 

Es gäbe noch so viel mehr darüber zu erzählen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Der Schauspieler hilft sehr, weil involvierter und über viele Dinge wissender, als die Fotografen, die sich nicht so gut in der Film-Branche und vor allem mit Schauspielern und deren Arbeit auskennen. Von den Kontakten, die man über all die Jahre sammelt, mal abgesehen.

 

OB13-JWeiske-1008-Finish02_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Jonathan Weiske

 

OB13-EElstner-2503-Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Enya Elstner

 

OB14_CThiele_0505_Finish03_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Carolina Thiele

 

OB14_CMory_1701_Finish05_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Christoph Mory

 

 

Manche deiner Portraitbilder erinnern an die Ästhetik von Filmstills, benutzt du bewusst einen Einfluss vom Film oder der Set Photography als Stilmittel? Findest du für dich Vorbilder im Film und/oder in der Fotografie?

 

Den Stil des Stills an sich nutze ich beim Portrait sehr bewusst. So erreiche ich beim Schauspieler oder der Schauspielerin, neben der klassischen Portraitfotografie (Licht ist super, dreh den Kopf mal nach rechts oder links), mit individuellen und zur Person passenden Stimmungsvorgaben auch das wichtige, vertrautere Gefühl, das zu tun, womit sie sich auskennen: Spielen. Das beruhigt viele aufgeregte Schauspieler(innen) im Vorfeld und während der Shooting-Arbeit sehr.

 

Schauspieler(innen) lieben zwar die Bühne und die Fernsehkamera, aber mit der statischeren Fotokamera können sie oft genug ganz und gar nichts anfangen. „Und was soll ich jetzt machen?! Ich bin so aufgeregt! Ich hasse Foto-Shootings!!!“ höre ich öfter als man bei Schauspielern und Schauspielerinnen vielleicht glaubt. Das legt sich dann allerdings oft sehr schnell.

 

Ein bestimmter filmischer Einfluss ist mir nicht bewusst , aber meine absoluten Vorbild-Film-Götter sind George Roy Hill (Regie), Conrad L. Hall (Kamera), William Goldman (Drehbuch), Paul Newman und Robert Redford, die mit „Butch Cassidy & Sundance Kid“ meinen „Film aller Filme“ geschaffen haben. In Bezug auf die Bilder, Dialoge und auf´s Schauspiel. Besser geht es nicht. Den Film habe ich so oft gesehen, dass er mich sicher sehr geprägt und beeinflusst hat. William Claxton mag ich sehr für seine Steve McQueen-Serie. Es gibt so viele, die ich sehr bewundere und unbedingt nennen müsste, aber das würde den Rahmen ebenfalls sprengen.

 

OB14_AJovanovic_2103_Finish06_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Aleksander Jovanovic

 

OB13-PFrielinghaus-2708-Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Paul Frielinghaus

 

OB13-CAchleitner-0702-Finish01-SW_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Carl Achleitner

 

OB14_AZaha_2407_Finish02_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Andrea Zaha

 

 

Wo liegt für dich der Reiz an der Portraitfotografie und wie findest du den Zugang zur Person vor der Kamera?

 

Da fällt mir doch sofort der abgedroschene Spruch „Um die Seele einzufangen“ ein. Klar geht’s mir auch darum. Nichts ist spannender und fesselnder als die menschliche Seele. Was gibt es dann Schöneres als diejenigen zu fotografieren, die dafür ausgebildet wurden und immer wieder heiß darauf sind, so viele Facetten wie möglich davon her- und darzustellen?? Umso mehr, wenn sie oft genug dann wieder bei der eigenen, wirklichen landen. Das ist schon sehr viel reizvoller für mich, als Wellen, Wolken, Autos oder nackte Frauen, die sich auf Motorhauben rekeln. Das interessiert mich nicht die Bohne. Obwohl Wellen und Wolken manchmal doch auch etwas haben können.

 

Auch beim Zugang hilft der Schauspieler. Die letzten 20 Jahre in der gleichen Branche gearbeitet zu haben, schafft von vornherein schon eine sehr hilfreiche Vertrautheit. - Meine Maskenbildnerin Conny Palitzsch, ihre Begeisterung für Theater und Film, und unsere sehr vertraute Zusammenarbeit tragen auch einiges zum oft sehr schnellen Zugang bei.

 

OB13_MBollow_2704-SW_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Maike Bollow

 

OB13_MDixon_0102_Finish06_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Michael Dixon

 

OB15_EElstner_250313_Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Enya Elstner

 

 

Du scheinst bei deinen Portraits gern mit natürlichem Licht und wenig Zubehör zu arbeiten. Hast du dafür ein paar Tipps für unsere Leser? Wie suchst du z.B. deine Location und was darf nicht in der Fototasche fehlen?

 

Ja, den Tipp überhaupt. Lasst die Finger von der Schauspieler-Fotografie, vom natürlichen Licht und vom Draußen!!! Geht ins Studio mit immer gleichen Einstellungen und Bedingungen und fotografiert sehr viel entspannter Essen oder Schmuck. Draußen ist der blanke Horror. Licht weg, Licht da, Licht anders, ...egal... geht jetzt nicht anders.  Hintergrund zu hektisch, Hintergrund gut, ... warte, ....doch nicht!!! Spaß.

 

Sieht zwar oft genug genauso aus und der Aufwand während des Shootings und auch in der Nachbearbeitung ist wirklich umfangreicher, aber letztendlich kriegt man dafür draußen auch die spannenderen Bilder. Meiner Meinung nach. Nur Studio wäre mir auch mit wechselnden Hintergründen und Lichtern viel zu langweilig. Ich möchte mich bewegen und unterwegs sein. So geht’s auch den meisten Schauspielern und Schauspielerinnen.

 

Neben den Kameras und Objektiven hab ich einen 80er-Reflektor dabei, den ich fast ausschließlich mit Silberfolie oder ab und an auch als Diffuser nutze. Dafür auch den Tipp, immer eine geduldige Assistentin oder Maskenbildnerin zum Halten und Ausrichten dabei zu haben. Manchmal tuts aber auch ein breiter Sessel. Ansonsten arbeite ich mit dem Licht, das draußen oder in U-Bahnhöfen, Clubs oder Restaurants gerade vorhanden und zu kriegen ist und drehe an meinen Kamerarädchen, was das Zeug hält. Die Fusselbürste während des Shootings ist für mich noch ein unerlässliches Zubehör. Ohne sie würde ich bei der Nachbearbeitung durchdrehen.

 

Über die letzten Jahre habe ich mittlerweile schon meine speziellen und bewährten Location-Ecken gesammelt, die vom Sonnenlicht abhängig natürlich immer wieder verschieden gut funktionieren. Allerdings fotografiere ich für manche Agenturen fast ausschließlich und muss darauf achten, nicht immer wieder die gleichen Orte und Hintergründe zu wählen. Das wäre dann sehr schnell langweilig auf der Agentur-Startseite, auf der alle Schauspieler(innen) zusammen zu sehen sind. Da ich die Schauspieler(innen) in den meisten Fällen abhole, stecke ich mir vorher immer schon eine mögliche Location-Route von dort ausgehend und die gehen oder fahren wir dann ab. Kann dann aber auch anders kommen. Ich folge da meiner Intuition und erlebe immer wieder, dass Orte an denen man gerade vorbeigeht, „Hier her“ schreien und spontan wunderbar funktionieren.

 

Da ich ausschließlich mit Festbrennweiten arbeite, darf die zweite Kamera nicht fehlen. Das erspart mir den ständigen Linsenwechsel und beugt einem vorzeitigen Shooting-Aus durch einen möglichen Kamera-Ausfall vor. Ist schon einmal passiert und ich war sehr froh, die zweite Kamera dabei zu haben. Der Schauspieler kam für einen Tag extra fürs Shooting aus Italien und es wäre sehr peinlich geworden, nach einer Stunde wegen defekter Kamera abzubrechen oder zeitraubend eine Leihkamera zu besorgen. Für meine Event- und Partyshootings, bei denen ich dann doch viel mit Blitz arbeite, darf die Batterie-Reserve-Packung und mindestens ein Sun Sniper Pro nicht fehlen.

 

OB13_SKabst_281011_Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Simone Kabst

 

OB13-PAhlhäuser-011212-Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Paul Ahlhäuser

 

OB14_GAderhold_1505_Finish01_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Gisela Aderhold

 

 

Oliver, du fotografierst hauptsächlich mit Nikon Kameras. Welche Kamera benutzt du, welches sind deine liebsten Objektive?

 

Eine D750 und als Ersatz eine noch verbliebene und immer noch sehr treue und verlässliche D700. Nachdem was sie bisher alles mitgemacht und geleistet hat, würde ich ihr jedoch eine Ausfall-Pause fast schon gönnen. Diese Kamera ist das absolute Arbeitstier bei allen Wetterbedingungen. Die D750 übrigens auch, soweit ich das bisher beurteilen kann. - Meine liebsten Objektive fürs Schauspieler-Porträt und auch für Events sind das 85er/f 1.4, das 50er/f 1.8 und das 28er/f 1.8. Das 50er/f 1.4 hab ich immer als Ersatz dabei. Für Konzerte lasse ich mich neuerdings doch aufs Zoomen ein. Das 70-200er/f 2.8 ist der absolute Kracher.

 

OB13-SHorvath-2102-Finish04_1200 Fotograf: Oliver Betke/www.betkebilder.de
Model: Sarah Horvath

 

 

Hast du (in Berlin) einen Ort, zu dem du immer wiederkehrst, um dort zu fotografieren?

 

Die hatte ich noch bis vor Kurzem. Mein Lieblings-Parkhaus am Alexanderplatz wurde letztes Jahr leider abgerissen und die denkmalgeschützte alte Glasfabrik auf der Stralauer Insel hat nach 5 Jahren ihren Reiz komplett für mich verloren. Diverse Brachial-Filmdrehs, gefühlte hunderte übereinanderliegende Graffitti-Schichten und viel zu sterile Luxus-Townhouses im unmittelbaren Umfeld haben ihr leider jegliche Magie genommen. Falls man jedoch auf geballt viel Graffiti in historischer Kulisse mit langem Tunnel und einer vorderen und hinteren Laderampe steht, kann ich die Location nur wärmstens empfehlen. Die Schönhauser Allee hab ich nach langer Zeit mal wieder ganz neu für mich entdeckt. In das ein oder andere Hotel oder Restaurant darf ich immer wieder kommen, aber da musste ich hoch und heilig versprechen, das nicht an die große Glocke zu hängen. 

 

 

Vielen Dank für das Interview, Oliver!

 

Auf www.betkebilder.de können sie noch mehr über Oliver Betke und seine Fotografie erfahren.



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