HOCHZEITEN FESTHALTEN MIT TALI UND FRANÇOIS LAMOUREAUX

10.03.2022

HOCHZEITEN FESTHALTEN MIT TALI UND FRANÇOIS LAMOUREAUX

In unserem neuesten Beitrag erfahrt ihr, wie Hochzeitsfotografin Tali Pelosi (Tali Photography) und der Hochzeitsvideograf François Lamoureux an Hochzeitsreportagen herangehen und wie es ihnen gelingt, emotionale Bilder und Videos mit der Nikon Z 7II und der Nikon Z 6II einzufangen.

Die beiden Experten geben euch Tipps, wie ihr optimal mit der Location, dem Licht und dem glücklichen Brautpaar arbeitet, um die Geschichte dieses großen Tages in unvergesslichen Bildern festzuhalten.

 

Hochzeitsfotografie mit Tali Photography

Die Aufnahme schöner und emotionaler Hochzeitsfotos ist wie ein Tanz: Es geht darum, mit den Menschen vor der Kamera einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich frei und natürlich bewegen zu können. Ich lasse mich von verschiedenen Orten, schönem Licht, Mustern, Strukturen und vor allem von Menschen inspirieren. Man muss Menschen lieben, um Hochzeiten zu fotografieren.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Vorbereiten und vorausplanen

Hochzeiten sind schnelllebig und herausfordernd - die Fähigkeit, vorauszusehen, was ein Paar als Nächstes tun könnte, ist für einen flüssigen Tagesablauf sehr wichtig. Dadurch, dass der Hochzeitsfotograf mitdenkt, kann sich das Brautpaar in Ruhe auf die Feierlichkeiten konzentrieren und die Zeit mit den Gästen genießen. Alles, was ihr vorab über ein Paar, den Aufnahmeort und die Planung in Erfahrung bringen könnt, wird euch die Arbeit erleichtern. Ich betreibe Tali Photography zusammen mit meiner Schwester (und fotografiere Hochzeiten in der Regel mit einem zweiten Fotografen). Wir schicken den Paaren einen Fragebogen, in dem wir viele für uns wichtige Fragen stellen, wie zum Beispiel, wo sich das Brautpaar vorbereitet, welche Gruppenaufnahmen sie machen möchten und vieles mehr. Wir verabreden uns auch zu gemeinsamen Videochats, damit uns das Paar vorab kennenlernen kann. Wenn wir die Möglichkeit haben, besuchen wir einen Tag vor der Hochzeit die Location, damit wir für den großen Tag nach geeigneten Orten suchen können, an denen uns das Licht gefällt. Manchmal werden wir für zwei bis drei Stunden für das Test-Essen vor der Hochzeit gebucht. Da haben wir dann Gelegenheit, das Paar zum ersten Mal persönlich zu treffen. Ich beobachte die Braut und den Bräutigam dann immer sehr genau. Es kann wirklich helfen, die Menschen zu beobachten, um ein Gefühl für sie zu bekommen. Achtet besonders darauf, wie sie miteinander reden und wie sie sich bewegen. Das kann euch helfen, sich auf den Tag und besonders auf die Paaraufnahmen vorzubereiten.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Immer mit dem 50 mm

Wenn ich mich für nur ein Objektiv entscheiden müsste, wäre es eine 50 mm Festbrennweite. Ich habe einmal eine kleine, intime Hochzeit ausschließlich mit einem 50 mm begleitet. Ich war in der Lage, alle wichtigen Situationen damit festzuhalten – von den Vorbereitungen der Braut über die Gruppenaufnahmen bis hin zum ersten Tanz. Wenn ich mit meinem Team fotografiere, behalte ich gerne ein 50 mm auf einer Kamera und wechsle zwischen einer 85 mm und einer 35 mm Festbrennweite auf einer zweiten Kamera. Ich liebe das 50 mm für die eher dokumentarischen Reportage-Aufnahmen – und um die Details am Brautkleid festzuhalten. Das 85 mm gefällt mir, wenn ich die Emotionen auf den Gesichtern des Paares einfangen möchte, ohne ihnen dabei zu nahe zu kommen. Die 35 mm verwende ich für Aufnahmen von größeren Gruppen und während der Trauung, wenn ich die Szenen einfangen möchte, ohne das Paar und die Gäste zu stören.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Ich muss mich auf das Paar einstellen

Wir machen die Paaraufnahmen immer erst spät am Tag – wegen des Lichts und weil wir Braut und Bräutigam bis dahin besser kennen. Wenn ihr das Paar den ganzen Tag durch eure Kamera gesehen habt, dann werdet ihr am Abend wissen, ob die beiden eher schüchtern sind oder nicht. So könnt ihr euch ideal auf das Paar einstellen und werdet mit den beiden gemeinsam wunderschöne Bilder aufnehmen. Auch wenn wir am liebsten natürliche Momente einfangen möchten, ist es manchmal nötig, dem Paar eine Richtung vorzugeben. Brautpaare sind keine Models. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sich alle wohlfühlen und gemeinsam herausfinden, welche Aufnahmeideen für das Paar gut funktionieren. Der Fotograf muss sich dabei auf das Paar einstellen und nicht umgekehrt. Gebt Braut und Bräutigam Zeit, sich zu entspannen und baut Vertrauen auf. Wenn das Paar vielleicht ein wenig schüchtern ist, hilft es, wenn ihr als Fotograf ebenfalls eher ruhig agiert. Versucht nicht zu sehr, ein schüchternes Paar dazu zu bringen, ausgefallener zu posieren: Schlagt ihnen vielleicht vor, dass sie ein wenig gehen oder tanzen können. Wenn ein Paar von sich aus etwas lockerer und ausdrucksstärker ist, können sie mit euren Vorschlägen freier sein.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Arbeitet mit einer Kamera, die ihr gut kennt

Normalerweise fotografiere ich mit der Nikon D850, die immer noch zu meinen Lieblingskameras gehört. Dennoch ist die Nikon Z 7II unauffälliger, was mir die Arbeit sehr erleichtert. Es ist so wichtig, mit einer Kamera zu arbeiten, die man gut kennt. An einem Hochzeitstag ist man von vielen Menschen umgeben, die sich manchmal anders verhalten, sobald sie eine Kamera sehen. Mit einer kleineren Kamera wie der Z 7II fällt es den Menschen leichter, natürlich zu bleiben. Auch mir hilft die spiegellose Kamera, weil ich mit ihr spontaner reagieren kann. Ich fotografiere immer im lautlosen Modus mit dem elektronischen Verschluss und schätze es sehr, dass die Nikon Z 7II mit einem zweiten Speicherkartenfach ausgestattet ist. Fotografiert niemals eine Hochzeit mit nur einer Speicherkarte! Ich nehme meine RAW-Bilder parallel auf und verwende den zweiten Schacht zur Datensicherung.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Seid mutig

Unser Stil konzentriert sich auf das, was wir lieben, und folgt nicht den Trends der Hochzeitsfotografie. Es ist wichtig, mutig zu sein. Zeigt und veröffentlicht nur Bilder in eurem eigenen Stil. Für genau diesen Stil wird man euch später buchen. Wir fotografieren die Paare gerne bei Sonnenuntergang. Ich liebe das Licht, die Farben und die Schattierungen. Wenn sich ein Paar Aufnahmen im hellen Nachmittagslicht wünscht, wird es uns nicht buchen, weil es nicht das ist, was wir anbieten und zeigen.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Bleibt offen für Inspirationen

Ich liebe das Porträt des Paares in den Olivenhainen, das mit der Nikon Z 7II in Italien aufgenommen wurde. Meine Bilder sind in der Regel kontrastreich und gesättigt, doch dieses Porträt ist anders. Es wurde kurz vor Sonnenuntergang aufgenommen und ich habe noch nie zuvor so weiche Töne eingefangen! Ich weiß noch nicht, ob diese Aufnahme meinen Stil des Fotografierens oder der Bearbeitung verändern wird. Aber mir gefällt das Bild so sehr, dass es spannend ist, zu sehen, wohin mich diese Inspiration führen könnte!

 

 

FILMEN EINER HOCHZEIT MIT VIDEOGRAF FRANÇOIS LAMOUREUX

Manche Leute denken, dass es langweilig sei, eine Hochzeit zu filmen, da es sich stets um ein verliebtes Paar dreht, das den Bund der Ehe eingeht. Ich sehe das nicht so. Es sind jedes Mal andere Menschen und damit ist auch die Geschichte immer eine andere. Ich finde es sogar sehr spannend, herauszufinden, wer diese Menschen sind: Was ist ihre Geschichte und wie kann ich diese Geschichte in meinen Filmen widerspiegeln?

 

 

Sucht nach Inspirationen

Damit der Film für das Paar zu einer einzigartigen Erinnerung wird, ist es immer eine gute Idee, vor der Hochzeit mit den beiden zu sprechen. Ich frage gerne nach, wie sie sich kennengelernt haben. Aber auch Fragen nach ihrem Film- und Musikgeschmack sind für mich eine gute Inspiration. Wenn man eine Vorstellung davon hat, welche Filme sie mögen, kann das für den nachträglichen Schnitt hilfreich sein. Dass ich nach ihrer Lieblingsmusik frage, hat damit zu tun, dass ich den Soundtrack für den Hochzeitsfilm selbst auswähle. Erst wird gedreht und dann suche ich im Nachhinein nach der passenden Musik. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die beiden mögen, achte ich genau auf die Musik, die während des Hochzeitstages gespielt wird.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Früh ankommen und sich entspannt unterhalten

Am Hochzeitstag bin ich gerne früh da und unterhalte mich mit dem Brautpaar, bevor der Tag beginnt. Die meisten Paare sind anfangs schüchtern. Wenn man sich aber die Zeit nimmt, mit den beiden zu sprechen, kann das wirklich helfen, damit sich die beiden vor der Kamera entspannen. Wenn man sich gleich zu Beginn ein paar Witze erzählt und etwas Spaß zusammen hat, ist das ein guter Start, damit sich das Paar an die Kamera und mich gewöhnt. So fällt es dem Paar später leichter, mich ein Stück weit auszublenden. Das kann für mich der Schlüssel sein, um echte Emotionen einzufangen.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Bleibt im Hintergrund

Nachdem ihr eine Verbindung zum Paar hergestellt habt, ist es eure Aufgabe, stets in der Nähe zu bleiben. Der Trick ist, dass ihr dabei fast unsichtbar seid. Das erfordert zwar etwas Übung, ist aber möglich. Einmal erzählte mir der Bräutigam, dass er sich zwar sehr gut an eine Szene aus dem Film erinnern kann, er in diesem Augenblick aber gar nicht mitbekommen hat, dass ich mit der Kamera danebenstand. Dabei war ich lediglich einen Meter von ihm entfernt. Wenn man nicht auffallen möchte, ist es wirklich hilfreich, mit möglichst wenig Ausrüstung zu arbeiten. Hier ist die Größe des Z-Systems mit seinen kleinen Objektiven für mich ein echter Vorteil. Hin und wieder denken die Leute sogar, dass ich ein Gast sei und posieren für mich, weil sie denken, dass ich ein Foto machen möchte. Dann erkläre ich ihnen, dass ich ein Video drehe und bitte sie, nicht stillzustehen, sondern sich zu bewegen. Die Wahl eures Outfits kann auch wichtig sein. Vermeide grelle Farben, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

 

Mit kleiner Ausrüstung arbeiten

Normalerweise arbeite ich nur mit meiner Kamera und vielleicht einem zusätzlichen Monitor, damit ich die Schärfe und die Belichtung überprüfen kann. So kann ich mich selbst auf engem Raum recht frei bewegen. Meist versuche ich, auf einen Gimbal zur Stabilisierung zu verzichten, da ich dann nicht mehr so schnell reagieren kann. Davon abgesehen wird die Ausrüstung dadurch schwerer und ein Gimbal könnte auf das Paar zusätzlich einschüchternd wirken. Früher habe ich jede Menge Equipment in den Kofferraum meines Wagens gepackt und die Sachen am Ende gar nicht benutzt, weil sie entweder zu schwer waren oder der Aufbau zu lange gedauert hätte. Inzwischen weiß ich, wie wichtig es ist, die Ausrüstung so leicht wie möglich zu halten. In meinem Koffer befinden sich zwei Kameras, zwei Objektive, meine Filter und mein Kamera Cage samt Monitor. Ich bringe auch zwei Audio-Aufnahmegeräte mit, um die Umgebungsgeräusche und die Reden der Gäste und des Paares einzufangen. Dazu kommen Ersatz-Speicherkarten und viele Akkus. Ich nehme von beidem zwar immer mehr mit, als ich eigentlich brauche, aber so kann ich entspannter arbeiten, wenn ich weiß, dass ich auf der sicheren Seite bin.

 

Findet die optimale Brennweite

Meine erste Wahl ist immer die 35 mm-Festbrennweite. Normalerweise packe ich für alle Fälle auch ein 85 mm mit ein. In der Regel reicht das 35 mm aber völlig aus. Wenn ihr während der Hochzeit das Objektiv wechselt, kann es passieren, dass ihr genau in dem Augenblick eine wichtige Aufnahme verpasst. Mit nur einem Objektiv könnt ihr insgesamt schneller reagieren. Ich bevorzuge Festbrennweiten, weil die Bildqualität besser ist und ich mit größeren Blendenöffnungen arbeiten kann. Dadurch, dass ich die Blende bis auf f/1,8 öffnen kann, fällt es mir leichter, im Gegenlicht oder bei schwachem Licht in Innenräumen und während der Dämmerung zu filmen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, welche Festbrennweite zu euch und eurem Aufnahmestil passt, ist es sinnvoll, erst einmal mit einem 24-70-mm-Standardzoom zu arbeiten. Im Nachhinein könnt ihr dann nachsehen, welche Brennweiten ihr am häufigsten verwendet habt. Das kann euch helfen, die für euch perfekte Brennweite für eine Festbrennweite zu finden.

 

Foto: Tali Pelosi und François Lamoureux

 

Arbeitet mit einem großen Autofokus-Bereich

Ich versuche, möglichst wenige Kamera-Einstellungen zu verwenden, um mich nicht vom Geschehen und den Emotionen ablenken zu lassen. Für Szenen, in denen ich etwas mehr Zeit habe, zum Beispiel wenn ich die Ringe filme, nutze ich gerne den manuellen Fokus. In der restlichen Zeit muss es aber meist sehr schnell gehen. Ich mag es, dynamisch zu fotografieren und spontan auf die Menschen um mich herum zu reagieren. Ich liebe es, dass man mit der Nikon Z 6II auch bei Videoaufnahmen den Eye-AF verwenden kann. Eine großartige neue Funktion! Mit dem großen AF-Feld des Wide-AF-Modus der Nikon Z und dem Eye-AF kann ich beruhigt den ganzen Tag durchfilmen, weil ich weiß, dass alles scharf abgebildet sein wird.

 

Speichert eure bevorzugten Einstellungen

Ihr könnt eure wichtigsten Einstellungen als benutzerdefinierte Einstellungen in der Kamera speichern, um bei Bedarf schnell zwischen ihnen wechseln zu können. Ich arbeite zum Beispiel mit einem benutzerdefinierten, flachen Farbprofil für Aufnahmen in 4K-Auflösung mit 25 fps für allgemeine Situationen und mit einem zweiten, flachen Farbprofil für Zeitlupensequenzen mit 100 fps. Früher habe ich grundsätzlich mit sehr flachen Farbprofilen gedreht. Mit der Nikon Z 6II sind die Farben aber inzwischen so exakt, dass ich meine Arbeitsweise darauf angepasst habe. Die Farben und die Hauttöne sind so gut, dass ich die Sättigung und den Kontrast in den benutzerdefinierten Profileinstellungen nur geringfügig verändert habe. So bin ich in der Nachbearbeitung insgesamt schneller.