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DIE FOTOGRAFENMEISTERIN MANDY KNUTH ÜBER IHREN BESUCH IM ST. MOSES CHILDRENS CARE CENTRE IN UGANDA

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In Uganda ist das St. Moses Children’s Care Centre ein Ort der Zuflucht für verwaiste, misshandelte und Not leidende Kinder. Bewegend und eindrucksvoll hat Mandy Knuth den Alltag der Kinder in dieser außergewöhnlichen Einrichtung fotografisch festgehalten.

 

 

Ungefähr zwei Stunden südöstlich der Hauptstadt von Uganda, Kampala, liegt die kleine Stadt Jinja, direkt am Viktoriasee. An diesem Ort gründete die Uganderin Miss Jane Babirye Anfang der 70er Jahre ein Zentrum für verwaiste, misshandelte und Not leidende Kinder. Es war der Grundstein für das Projekt St. Moses. Uganda braucht Orte wie das St. Moses Children’s Care Centre. Zur Zeit leben in Uganda etwa 2 Millionen Waisenkinder. Die Generation ihrer Eltern wurde durch Krieg und AIDS ausgelöscht. Nach dem Tod ihrer Eltern bleiben die meisten Kinder bei den Großeltern oder Verwandten, die jedoch oft nicht in der Lage sind, sich angemessen um sie zu kümmern und die Kinder ausreichend zu ernähren. Es herrscht eine unglaubliche materielle und menschliche Armut.
Hier hilft das St. Moses Children’s Care Centre. Die christliche Organisation kümmert sich unabhängig vom Glauben, Herkunft und Rasse um die Betreuung und Erziehung der Waisen, ausgesetzten und misshandelten Kindern. Die Arbeit erfolgt in der Einrichtung aber auch in den Dorfgemeinschaften. Ziel ist es den Kindern eine gute körperliche, geistige, soziale, emotionale und spirituelle Entwicklung zu ermöglichen.
2009 besuchte die Fotografenmeisterin Mandy Knuth das St. Moses CCC, um mit ihren Bildern auf die Lage vor Ort aufmerksam zu machen. In ihrer Ausstellung „Uganda“ zeigt Sie einfühlsam die Bedeutung der Einrichtung St. Moses Childen’s Care Centre für die Region.

 

Liebe Frau Knuth, erzählen Sie uns doch bitte, wie es zu Ihrer Reise gekommen ist. Warum Uganda, weshalb diese Einrichtung?

 

Ich bin mit einem befreundeten Fotografen nach Uganda gereist, um ihn bei einem Workshop für die Kinder des Zentrums zu unterstützen. Er hatte mir von der Idee erzählt und ich wurde neugierig auf das Center. Die Kinder hatten kaum Zeit, was sich vor Ort herausstellte, da sie eine Ganztagsschule besuchen und danach in der Einrichtung bei den täglichen Aufgaben helfen. Ich wollte mehr wissen. So begann die Recherche und die Idee das zu fotografieren, um es der Welt zu zeigen.

 

„Mamas werden Mamas genannt, weil sie genau diese ersetzen. Dieses Waisenmädchen war seit  wenigen Tagen im Center und benötigte besonders viel Liebe." – Mandy Knuth „Mamas werden Mamas genannt, weil sie genau diese ersetzen. Dieses Waisenmädchen war seit wenigen Tagen im Center und benötigte besonders viel Liebe." – Mandy Knuth
„In der Schule sind oft bis zu 100 Schüler in einer Klasse. Dieses kleine Mädchen wird von ihren Geschwistern mitgenommen, weil es sonst tagsüber allein im Dorf bleiben muss da die Eltern verstorben sind. »Hier ist es sicherer«, erzählte mir die Lehrerin.“ – Mandy Knuth „In der Schule sind oft bis zu 100 Schüler in einer Klasse. Dieses kleine Mädchen wird von ihren Geschwistern mitgenommen, weil es sonst tagsüber allein im Dorf bleiben muss da die Eltern verstorben sind. »Hier ist es sicherer«, erzählte mir die Lehrerin.“ – Mandy Knuth

 

Aus der Ausstellung „Uganda“ ist dann ein Katalog entstanden.   War das vorher schon geplant?

 

Das Fotobuch war nicht geplant, es dient zur Unterstützung der Ausstellung und Suche nach neuen Ausstellungsplätzen. Es kann natürlich auch gekauft werden, der Erlös geht an das Waisenheim.

 

„Allen Kindern wird von klein auf an das Waschen und Pflegen der Kleidung beigebracht. Größere Kinder helfen dabei den Kleinen.“ – Mandy Knuth „Allen Kindern wird von klein auf an das Waschen und Pflegen der Kleidung beigebracht. Größere Kinder helfen dabei den Kleinen.“ – Mandy Knuth
„Waschen im Center ist ein tägliches Bild, es wird sehr auf Hygiene geachtet.“ – Mandy Knuth „Waschen im Center ist ein tägliches Bild, es wird sehr auf Hygiene geachtet.“ – Mandy Knuth
„Mais wird zum Trocknen tagsüber in der Sonne ausgelegt. Alle Kinder helfen und sammeln es abends wieder ein, damit die Tiere es in der Nacht nicht wegholen.“ – Mandy Knuth „Mais wird zum Trocknen tagsüber in der Sonne ausgelegt. Alle Kinder helfen und sammeln ihn abends wieder ein, damit die Tiere ihn in der Nacht nicht wegholen.“ – Mandy Knuth

 

In den kurzen, knappen Bildunterschriften sprechen Sie manchmal das Schicksal der abgebildeten Kinder an, wie im Beispiel der jungen Susan, die kurz nach ihrem Besuch verstorben ist oder der Freunde Robert, Meddy und Ivan. Was bedeutet es Ihnen, diese Kinder im Rahmen des Projekts abgelichtet zu haben?

 

Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu sprechen. Nach fast 4 Wochen sind mir die Kinder und die Mamas im St. Moses Centre ans Herz gewachsen und zu erfahren, dass manche sterben ist nie einfach. Ich habe einen wunderschönen Beruf, der auch solche Erinnerungen nie verblassen lässt.

 

„Robert, Meddy und Ivan, ein unzertrennliches Team der drei Waisen. Ivan verstarb 2012 an einer Sichelzellenanämie. Er war sehr beliebt und fehlt.“ – Mandy Knuth „Robert, Meddy und Ivan, ein unzertrennliches Team der drei Waisen. Ivan verstarb 2012 an einer Sichelzellenanämie. Er war sehr beliebt und fehlt.“ – Mandy Knuth

 

Obwohl uns die dargestellte Armut in ihren Bildern erschüttert hat, vermitteln viele Bilder zugleich ein positives Gefühl. Wie haben Sie das in Uganda erlebt?

 

Ich habe viele arme Menschen gesehen, aber niemand hat gejammert oder gebettelt. Dieser Stolz in den Augen der älteren Menschen hat mich fasziniert. Sie haben mich freundlich empfangen, gedankt das ich mich für sie interessiere, und mir meist noch etwas von ihrem ohnehin wenigem Essen mitgegeben. Das war und ist Gänsehaut pur für mich.

 

„Beatrice Namakula sorgt für 22 Waisen, davon sind 2 ihre leiblichen Enkelkinder. Sie lachte, als ich sie nach ihrem Alter fragte, und konnte es mir nicht genau sagen. Wir schätzten sie auf ca. 65 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Uganda sind 53 Jahre.“ –Mandy Knuth „Beatrice Namakula sorgt für 22 Waisen, davon sind 2 ihre leiblichen Enkelkinder. Sie lachte, als ich sie nach ihrem Alter fragte, und konnte es mir nicht genau sagen. Wir schätzten sie auf ca. 65 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Uganda sind 53 Jahre.“ – Mandy Knuth

 

Sie zeigen sowohl die Einrichtung selbst als auch die Unterkünfte der Schüler außerhalb dieser Institution. Reicht der Einfluss der Schule über die eigenen Mauern hinaus und wenn ja, wie konnte man das bemerken?

 

Die gezeigten Unterkünfte sind die Original Wohnplätze der Kinder, sprich die Familien der Kinder. Durch den eigenen Sozialarbeiter der Einrichtung werden diese Familien unterstützt. Ihnen wird bei der Existenzgründung z.B. bei dem Erhalt eines Mikrokredits geholfen. Die Kinder werden später wieder eingegliedert und die Überlebensgrundlage wird u. a. dadurch vorbereitet.

 

„Anyopa Abisagi, rechts im Bild, lebte von 2005 bis 2008 im St. Moses Center, jetzt reintegriert. Das Schuldgeld wird vom St. Moses Center weiterhin übernommen. Sie wohnt hier mit ihrer Mutter und 2 Geschwistern. Ein Moskitonetz ist nicht selbstverträglich.“ - Mandy Knuth „Anyopa Abisagi, rechts im Bild, lebte von 2005 bis 2008 im St. Moses Center, jetzt reintegriert. Das Schuldgeld wird vom St. Moses Center weiterhin übernommen. Sie wohnt hier mit ihrer Mutter und 2 Geschwistern. Ein Moskitonetz ist nicht selbstverständlich.“ - Mandy Knuth
„Kevin Birimumaard, links im Bild, besuchte mit mir seine Mutter. Sie leidet an Polio (Kinderlähmung). Der Vater ist im Sudankrieg verschollen. Der Rollstuhl absoluter Luxus.“ - Mandy Knuth „Kevin Birimumaard, links im Bild, besuchte mit mir seine Mutter. Sie leidet an Polio (Kinderlähmung). Der Vater ist im Sudankrieg verschollen. Der Rollstuhl absoluter Luxus.“ - Mandy Knuth
„In diesem Lehmhaus wohnt eine 5-köpfige Familie, kein Strom, kein fliessend Wasser. Die nächste Wasserstelle ist ca. 2 Stunden entfernt und das Wasser wird mit den Kanistern herangetragen.“ - Mandy Knuth „In diesem Lehmhaus wohnt eine 5-köpfige Familie, kein Strom, kein fliessend Wasser. Die nächste Wasserstelle ist ca. 2 Stunden entfernt und das Wasser wird mit den Kanistern herangetragen.“ - Mandy Knuth

 

In einem kurzen Youtube Video zu ihrem Projekt habe ich etwas über die Aktion „Bunte Hände“ in der AWO-Kita in Ahlbeck gesehen. Können Sie uns bitte etwas dazu erzählen?

 

Bevor ich die Ausstellung eröffnet habe, bin ich zu unserem Ahlbecker Kindergarten auf der Insel Usedom, wo ich lebe, gegangen um das Projekt vorzustellen. Die Idee mit Kinderhänden und Füssen das Projekt bildlich zu unterstützen kam von Frau Dr. Lehmann aus der Kulturabteilung der Drei Kaiserbäder. Es zeigt die Verbundenheit aller Kinder auf der Welt und das Kinder eine glückliche Kindheit brauchen. Dazu bedarf es nicht immer nur Geld, sondern auch Solidarität auf der Welt. Kinder sind eben Kinder.

 

klein_MK31301m Ein Bild von der Aktion „Bunte Hände“ in der AWO-Kita mit den Ahlbecker Inselspatzen.

 

Ist eine weitere Reise nach Uganda geplant? Kann man ein solches Projekt für sich wirklich abschließen?

 

Dieses Projekt ist nie zu Ende. Das St. Moses Children’s Care Centre lebt ausschließlich von Spenden und es wird immer hilfebedürftige Waisenkinder in Afrika geben. HIV ist immer noch nicht erfolgreich bekämpft, auch wenn es nach meinem Empfinden gerade etwas aus dem Fokus der Menschen gerückt ist. Die Eltern sind nicht nur an HIV gestorben, die meisten Väter sind im Krieg zum Sudan gefallen und es gibt viele Krankheiten, wie Tuberkulose, Krebs und auch Malaria die ständig viele Opfer kosten. Allein Malaria nimmt fast mehr Menschen das Leben als HIV. Eine Reise ist durchaus geplant, nur momentan noch nicht sicher wann.

 

„Im Haus der Mädchen. Wenige haben ein Moskitonetz. In Afrika sterben mehr Menschen an Malaria, als an AIDS.“ – Mandy Knuth „Im Haus der Mädchen. Wenige haben ein Moskitonetz. In Afrika sterben mehr Menschen an Malaria, als an AIDS.“ – Mandy Knuth

 

Wir zeigen in unserem Journal nur einen kleinen Ausschnitt. Wissen Sie schon, wo die Ausstellung als Nächstes gezeigt wird?

 

Die Ausstellung war bisher im Seebad Bansin und Mölschow auf meiner Heimatinsel Usedom, in Helmstedt und im Rathaus Erkner. Möglich durch die wunderbare Unterstützung vieler helfender Hände. Aktuell suchen wir nach Ausstellungsräumen z.B. in und um Berlin. Diese Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und soll durch ganz Deutschland wandern, um sie möglich vielen Menschen zu zeigen. Natürlich bin ich auch für Österreich und die Schweiz offen oder wo auch immer eine Möglichkeit besteht, die Bilder öffentlich zu zeigen.

 

Sie nutzen ihre Bilder, um den Kindern vor Ort zu helfen. Können Sie uns ein Beispiel dafür nennen, wie so etwas funktionieren kann?

 

Auf Nachfrage der österreichischen Kindernothilfe wurden u.a. mit meinen Bildern Spenden gesammelt und eine Solaranlage vor Ort finanziert und gebaut. Die Stromversorgung in Afrika ist sehr instabil und durch die Solaranlage bleibt das Center von den Stromausfällen verschont. Alle Spenden aus den Ausstellungen werden auch 1:1 überwiesen. Es gibt keine Abzüge, da es jemanden gibt der die Überweisungsgebühren nach Uganda, als Form der Hilfe übernimmt. Heißt 10 € bleiben 10 €!

 

„Durch Spendengelder finanziert gibt es eine Schaukel die gern von mehreren Freunden zusammen benutzt wird. Das Kinderlachen höre ich immer noch." – Mandy Knuth „Durch Spendengelder finanziert gibt es eine Schaukel die gern von mehreren Freunden zusammen benutzt wird. Das Kinderlachen höre ich immer noch." – Mandy Knuth

 

Wie können unsere Leser dieser Einrichtung helfen und wofür werden Spenden vor Ort genutzt?

 

Am besten sind Patenschaften. Wie und was es da gibt, findet man auf der Homepage, die auch durch unermüdlichen Einsatz von Kollegen entstanden ist. Aber auch Spenden in jeder Höhe helfen. Die Gelder werden vor Ort genau dazu eingesetzt, wozu sie gebraucht werden. Zum Beispiel wurden neue Toiletten gebaut und Farmland gekauft. Jedes Jahr bekommt man einen Newsletter mit allen Informationen, wofür welche Gelder eingesetzt werden. Eine absolut transparente Abrechnung, was mir das Vertrauen in die Einrichtung gegeben hat. Dadurch, dass es nicht so groß ist, bleibt die Transparenz bewahrt. Sie bekommen auch eine Spendenquittung, wenn Sie es wünschen. Jeder kann nach Jinja fahren und vor Ort helfen, z.B. als Volunteer. Eine tolle Erfahrung für junge Leute.

 

„Im Center fühlen sich die Kinder geborgen und finden ihr Lachen wieder. Derick, rechts, wurde 3 Jahre zuvor fast verhungert ins Center aufgenommen und fühlt sich nun sichtlich wohl. Beide Eltern sind an AIDS verstorben.“ - Mandy Knuth „Im Center fühlen sich die Kinder geborgen und finden ihr Lachen wieder. Derick, rechts, wurde 3 Jahre zuvor fast verhungert ins Center aufgenommen und fühlt sich nun sichtlich wohl. Beide Eltern sind an AIDS verstorben.“ – Mandy Knuth
„Der starke Zusammenhalt der Kinder symbolisiert die Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe.“ – Mandy Knuth „Der starke Zusammenhalt der Kinder symbolisiert die Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe.“ – Mandy Knuth

 

Zurzeit von Mandy Knuths Reise lebten 64 Kinder im Center, in 6 Häusern mit jeweils einer „Mama“. 21 weitere Kinder waren im angegliederten Internat zu Hause. 72 Kinder wurden in ihrer dörflichen Gemeinschaft durch Patenschaften unterstützt. Im Internat und Center sind Plätze für 200 Kinder, welche aber nur durch ausreichende Spenden nutzbar sind. Das St. Moses Children’s Care Centre (St. Moses CCC) ist eine Non-Governmental Organisation (NGO), anerkannt und ausschließlich durch Spenden finanziert.

Wenn Sie dieser Organisation Hilfe zukommen lassen möchten, finden Sie unter www.stmosesccc.org mehrere Möglichkeiten dazu. Sie können das St. Moses CCC auch direkt mit einer Spende auf das Spendenkonto unterstützen: VR-Bank Lech-Zusam eG, Konto 6304850, BLZ 720 621 52, Kath. Kirchenstiftung St. Raphael, Stichwort: St. Moses CCC Uganda



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