28.04.2026
Stephie Braun ist Berliner Fotografin mit Fokus auf Fashion, Beauty und Lifestyle, und ist bekannt für ihre klare, reduzierte Bildsprache. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch Direktheit,
präzises Blitzlicht und einen starken Fokus auf Präsenz und Authentizität der porträtierten Personen aus.
Neben internationalen Kampagnen entwickelt sie ihre eigenen Projekte, darunter eine
analoge Fotobuchpublikation, die sich mit Körperbildern und Sehgewohnheiten auseinandersetzt.
Angetrieben von Ehrgeiz und dem Wunsch nach mehr weiblichen Perspektiven in der Branche,
engagiert sie sich auch in der Förderung junger Fotografinnen.
Hey Stephie! Für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du und wie bist du zur Fotografie
gekommen? Beschreibe gerne deinen Bildstil in deinen eigenen Worten und erzähle an was für
Projekten du aktuell arbeitest, sowohl in der kommerziellen Fotografie als auch in deinen persönlichen Projekten.
Ich bin Stephie Braun, Fotografin und Videoregisseurin aus Berlin. Ursprünglich komme ich aus einem
500-Seelendorf aus der bayrischen Oberpfalz. Mein Zugang zur Fotografie begann sehr früh über Magazine wie VOGUE oder FACES und mit dem Bewusstsein dafür, wie stark Bilder unsere Wahrnehmung der Welt um uns herum beeinflussen. Ich habe Fotografie an der FH Bielefeld und teilweise an der University of Arts in
London studiert. Ich arbeite im Spannungsfeld von Fashion, Beauty und Lifestyle und bin besonders für meine Arbeit mit prominenten und internationalen Talents bekannt.
Mein Stil ist direkt, reduziert und zeitgenössisch. Aktuell arbeite ich am Konzept für ein Jewelry-Editorial für das FACES Magazine, welches ende April umgesetzt werden soll. Parallel dazu bin ich für eine tolle
Out-of-Home-Kampagne gebucht! Und im Hintergrund arbeite ich seit über einem Jahr an meiner nächsten
Fotobuchpublikation, in der ich mich mit Körperbildern und Sehgewohnheiten auseinandersetze, basierend auf analogem Foto-Material.




Du fotografierst Kampagnen für internationale Marken und Editorials für Magazine wie VOGUE oder ZEIT und bewegst dich dabei zwischen ganz unterschiedlichen Kontexten.
Was sind für dich die Elemente, an denen man deine Bilder sofort erkennt?
Ich glaube, man erkennt meine Bilder vor allem an einer gewissen Direktheit, aber auch an der Ruhe, die darin liegt. Ich arbeite viel mit Blitzlicht, was den Bildern eine klare, fast schon glamouröse Qualität gibt, nichts ist versteckt oder überinszeniert. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sich die Person vor der Kamera wirklich
gesehen fühlt. Es geht mir weniger um Perfektion, sondern eher um Präsenz und darum, einen Moment zu schaffen, in dem jemand ganz bei sich ist. Ein wiederkehrendes Element ist für mich der Blick, dieses Gefühl von Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, das nicht für die Kamera performt, sondern aus der Person selbst kommt.




Viele bleiben ja lange in einer Phase, in der sie fotografieren, ohne genau zu wissen, wohin das führt. Was hat dich damals motiviert, wirklich dranzubleiben und das Ganze ernsthaft zu verfolgen?
Ich bin grundsätzlich ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe früh gelernt, Dinge konsequent durchzuziehen. Während meines Studiums wurde mir bewusst, dass in der Werbefotografie nur etwa 20% Frauen tätig sind. Das hat viel in mir ausgelöst. Für mich war klar, dass ich genau dort meinen Platz finden will nicht nur als Teil davon, sondern auch, um etwas zu verändern. Diese Kombination aus Ehrgeiz und Haltung hat mich dazu
gebracht, dranzubleiben.




Wenn du am Set bist mit welchem Equipment arbeitest du aktuell am liebsten? Also Kamera,
Objektive, vielleicht auch Licht und warum genau dieses Setup?
Mein Go-To ist der Profoto A10 für Canon. Damit habe ich schon große Out-of-Home Kampagnen und ein ZEIT-Cover fotografiert. Ich mag die direkte, harte Lichtqualität, die sehr gut zu meiner Bildsprache passt. Je nach Produktion arbeite ich auch mit größeren Setups wie Profoto, ARRI oder Briese. Kameraseitig fotografiere ich hauptsächlich mit der Canon R5, ergänzend auch mit Mittelformat von Fuji für großformatige Produktionen.
Meine analogen Kameras, die bei meinen freien Fashion Editorials für VOGUE und meine Fotobücher zum
Einsatz kommen, liegen mir auch sehr am Herzen. Meine 3 liebsten Kameras sind die Contax G2, die Fuji RZ645 und meine kleine Leica Minilux.


Ein großer Teil deiner Produktionen entsteht im Studio oder in neuen Teamkonstellationen.
Wie bereitest du dich auf ein großes Shooting vor, organisatorisch als auch mental?
Gibt es Routinen oder Prozesse, die dir helfen, am Set fokussiert und kreativ zu bleiben?
Ich arbeite eng mit meinem Management und meinem Team zusammen, die Grundlage sind immer klare
Pre-Production Meetings. Gleichzeitig sehe ich meine Rolle als kreative Leitung. Ich entwickle im Vorfeld eine klare Vision, die alle Departments verbindet. Eine Shotlist gibt mir Struktur, ohne den kreativen Prozess
einzuschränken. Am Set selbst geht es viel um Atmosphäre und Vertrauen. Gute Musik hilft mir, einen Flow zu schaffen, in dem Fokus und Intuition zusammenkommen.




Du beschäftigst dich in deiner Arbeit und in Talks auch mit Themen wie dem Female Gaze und
strukturellen Ungleichheiten in der Kreativbranche. Welche Veränderungen würdest du dir für die
Fotografie- und Medienbranche wünschen?
Ich bin kein Fan davon, auf Veränderung zu warten, sondern sehe Verantwortung bei uns selbst. In einer
Branche, in der nur etwa 20% der Fotograf:innen weiblich sind, ist es wichtig, aktiv Räume zu schaffen. Ich coache regelmäßig junge Fotografinnen, um sie zu stärken und ihnen Sicherheit im Umgang mit dem Beruf zu geben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Gleichberechtigung nicht als Bedrohung gesehen wird. Vielfältigere
Bildwelten kommen am Ende allen zugute. Auch, weil Männer nicht nur Gestalter, sondern auch Betrachter sind.




Was inspiriert dich und deine Bildsprache? Wie gehst du mit dem Überfluss an Inspirationen online um oder greifst du eher auf analoge Quellen, wie Menschen, Orte/Reisen oder das Alltägliche zurück?
Mich inspirieren vor allem Menschen mit einer starken Ausstrahlung und Marken mit klarer Identität. Gerade in Fashion und Beauty interessiert mich diese Verbindung aus Image und visueller Geschichte. Ich recherchiere sowohl digital als auch analog, arbeite viel mit Büchern und Magazinen. Über die Jahre hat sich eine Art
visuelles Gedächtnis aufgebaut, auf das ich intuitiv zurückgreifen kann.
Gleichzeitig ist mir bewusstes Abstandnehmen zur Branche extrem wichtig geworden. Wenn ich neue Ideen brauche, ziehe ich mich zurück - oft aufs Land oder auf Reisen. In der Ruhe entstehen für mich die besten
Konzepte.




Vielen Dank, zum Abschluss … wenn du auf deine eigenen Anfänge zurückblickst, welche
Entscheidungen oder Erfahrungen haben deinen Weg als Fotografin besonders geprägt?
Was meinen Weg am meisten geprägt hat, ist Konsequenz. Ich habe jeden Tag etwas für meinen Traum getan, auch wenn es nur kleine Schritte waren. Gleichzeitig habe ich früh gelernt, aktiv auf Menschen zuzugehen,
Fragen zu stellen und mir Möglichkeiten selbst zu schaffen. Gerade wenn man nicht aus der Branche kommt, muss man oft Extrameilen gehen. Wichtige Impulse kamen auch durch Wettbewerbe - unter anderem der VOGUE Talent Award, den ich 2019 gewann, sowie internationale Ausstellungen an denen ich ebenfalls durch gewonnene Wettbewerbe teilnehmen konnte. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.