INTERVIEW MIT PHILIPP GLADSOME

13.02.2026

INTERVIEW MIT PHILIPP GLADSOME

Zwischen Chemnitz und Berlin, Konzertgraben und Portraitshoot bewegt sich Philipp Gladsome genau dort, wo Musik, Kultur und echte Emotion aufeinandertreffen. Seine Bilder sind ruhig, tief und geben Raum, sich darin zu verlieren. Ob analog oder digital, bei ihm geht es nie nur um Technik, sondern um Stimmung und Gefühl. Im Interview spricht er über seinen Weg in die Fotografie, warum Passion wichtiger ist als Perfektion und weshalb man einfach machen muss, statt zu viel zu überlegen.


Hey Philipp! Stell dir vor, jemand sieht zum ersten Mal deine Fotos, was sollte die Person über dich wissen und wie würdest du deinen Stil in deinen eigenen Worten beschreiben?


Am besten sollte die Person nichts über mich wissen um meine Fotos komplett frei meiner Person beurteilen zu können, sollte dadurch ein Interesse aufkommen würden sie feststellen, dass ich ein Fotograf gebürtig aus Chemnitz bin, der mittlerweile in Berlin wohnt und sich auf Musik- sowie Portraitfotografie spezialisiert hat.
Bei meiner Fotografie ist es mir wichtig nicht nur den Moment, sondern auch die Emotion einzufangen und zu transportieren. Den eigenen Stil zu beschreiben ist gar nicht so einfach aber ich hoffe, dass Menschen Ruhe, Ordnung und Tiefe in meinen Arbeiten wiederfinden und sich auch in bisschen in den Bildern verlieren können.

Fotos: Philipp Gladsome

Chemnitz vs. Berlin, zwei Welten! Gibt’s ein Bild, das nur hier oder nur da hätte entstehen können? Wie haben diese Städte deinen Blick geformt?


Beide Städte haben mich und meinen Werdegang sehr geprägt und ich würde keine der beiden missen wollen. Ich glaube, Chemnitz hat mir gezeigt wie wichtig Kreativität ist und wie gut sie gegen Langeweile hilft, Berlin wiederum hat mir gezeigt, dass Kreativität keine Grenzen und Fehler kennt. Die Balance aus einem eher überschaubaren kulturellem Angebot sowie einem Überangebot auf der anderen Seite ist auch, das was es am Ende ausgeglichen macht.

Fotos: Philipp Gladsome

Wenn du auf deine ersten Schritte zurückblickst, welche Momente oder Entscheidungen haben dich am meisten geprägt und dafür gesorgt, dass du heute dort stehst, wo du bist?


Ich glaube meine Nähe zur Kultur und insbesondere zur Musik von früh an. In meinem Elternhaus, sowie meinem freundschaftlichen Umfeld spielte das schon immer eine Rolle und prägt mich bis heute noch und es macht mich auch stolz in diesem Bereich Fuß gefasst haben zu können. Diesen einen Moment gibt es dabei nicht, sondern eher eine Einstellung, und zwar einfach Bock zu haben. Es ist ein großer Vorteil von Passion getrieben zu werden.

Foto: Philipp Gladsome

Du arbeitest viel im Musik-, Kultur- und Portraitbereich und hast dir über die Jahre einen sehr eigenen Look aufgebaut. Wie entwickelt sich so ein Stil, bewusst oder eher automatisch durch die Arbeit?


Ich glaube, ein Stil entwickelt sich einfach über die Jahre, anfangs habe ich zugegebenermaßen nur abgedrückt und gehofft, dass das Resultat wenigstens halbwegs vorzeigbar ist. Aber umso wichtiger war es, sich im Nachhinein nochmal hinzusetzen, die Bilder anzuschauen und zu reflektieren: „Was genau gefällt mir bei den guten Fotos und was stört mich bei den schlechten Fotos?“. Und ich denke je bewusster man sich mit der eigenen Arbeit beschäftigt, desto schneller kann man einen eigenen Stil entwickeln.

Fotos: Philipp Gladsome

Bei deinen Projekten switchst du zwischen analog und digital. Was entscheidet, welches Setup zum Einsatz kommt, wie verändert das deinen Workflow und welches Gear ist gerade dein Go-to?


Im digitalen Bereich arbeite ich aktuell viel mit der Leica M EV1 aber auch ab und zu mit der Sony A7R5, wenn tethering notwendig ist und analog switche ich je nach Job und Anwendung zwischen Contax G2, Pentax 67 II und Leica M6. Selten erscheine ich bei einem Shooting mit nur einer Kamera, da ich mir relativ viel offen halten will. Bei größeren Produktionen bekommt man nicht immer analog only durch und schon allein deshalb muss ich mehrere Kameras einpacken. Das analoge Shooten ist irgendwie bewusster und entschleunigter und fühlt sich dadurch auch organsicher an und abgesehen vom Look glaube ich, dass man auch genau das am Ende in den Arbeiten erkennt.

Fotos: Philip Gladsome

Welche Dinge oder Einflüsse treiben dich an, neue Bilder zu machen, die typisch nach dir aussehen?


Ein guter Antrieb ist für mich immer wieder neue Technik auszuprobieren und auch mit Licht zu experimentieren. Selten sehen Bilder dann direkt nach mir aus, aber das ist ja die Challenge. Das Ganze dann so sehr abzuwandeln, dass es sich in meine anderen Arbeiten einfügt. Man kann sich von vielem inspirieren lassen aber sollte dennoch nicht die eigene Linie vernachlässigen, wäre ja sonst auch langweilig.

Foto: Philipp Gladsome

Erzähl von einem Shooting, bei dem alles anders lief als geplant und am Ende die besten Bilder rausgekommen sind. 


Kein Shooting läuft immer zu 100 % wie geplant, wichtig ist dabei eigentlich genügend Freiraum für Kreativität und spontan Ideen zu lassen. Am Ende kommt man immer ans Ziel, auch wenn man ab und zu ein paar Umwege gehen muss (oder jemand nochmal schnell Filme kaufen gehen muss, weil man vergessen hat sie einzupacken).


Vielen Dank, zum Abschluss… Welchen Tipp würdest du FotografInnen geben, die ihren eigenen Stil finden und sich in der Musik- und Porträtfotografie etablieren. 


Bleibt offen, bleibt hungrig und probiert euch aus. Den eigenen Stil findet man nicht auf einer fremden Instagramseite.
Im Laufe der Zeit weiß man was man mag und was nicht und davon sollte man sich auch nicht abbringen lassen. 
Und porträtiert alle die nicht schnell genug weglaufen können, eure Freunde, eure Familie, eure Nachbarn, … Licht wirkt auf jeden Menschen unterschiedlich und je mehr ihr probiert, desto geübter seid ihr.