INTERVIEW MIT JANINA WAGNER

11.09.2026

INTERVIEW MIT JANINA WAGNER


Ungeplante Momente, gesellschaftskritische Beobachtungen und ein intuitiver Blick auf das urbane Leben prägen die Arbeit der Berliner Fotografin Janina, besser bekannt als Nini oder whatsupnini. Zwischen freien Serien, Ausstellungen und kommerziellen Aufträgen folgt sie vor allem ihrem Gefühl analog, minimalistisch und mitten im Geschehen. Im Interview erzählt sie, warum die Bilder sie finden, weshalb Berlin für sie nie langweilig wird und warum der eigene Blick wichtiger ist als teures Equipment.


Hey Nini! Für alle, die dich noch nicht kennen: Stell dich doch einmal kurz vor. Wer bist du und wie bist du zur Fotografie gekommen?


Danke erstmal dass ich das ihr mich eingeladen habt, freut mich wirklich. 

Mein Name ist Janina aber die meisten kennen mich als Nini aka whatsupnini,
Ich bin Fotografin aus Berlin und meine Geschichte startet relativ früh, mit sechs Jahren im Disney Land Paris. Meine Mutter hatte damals eine analoge Point & Shoot mit der ich fotografieren durfte. Das ist der erste Moment an den ich mich erinnere, wo ich bewusst fotografiert habe. Diese Leidenschaft hat sich dann so durch meine Jugend gezogen. Ich hab angefangen meine Freunde und mein Umfeld zu fotografieren. Es wurde einfach wirklich alles fotografiert was mir vor die Kamera kam. 2014 ist dann aus einem „Hobby“ mein Job geworden als ich mich selbstständig gemacht habe.

Fotos: Janina Wagner

Du hast bereits zahlreiche Ausstellungen realisiert und gleichzeitig für große KundInnen wie Adidas, Sony Music oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung gearbeitet. Wie gelingt dir der Spagat zwischen freier künstlerischer Arbeit und kommerziellen Aufträgen? Gibt es etwas, das beide Bereiche voneinander lernen können?


Was viele nicht wissen, ich bin hauptberuflich auch als Hochzeitsfotografin unterwegs. Da kommt dann quasi noch ein Bereich dazu. Wenns jetzt aber nur um die kommerziellen Aufträge und Ausstellungen geht, gehen beide Hand in Hand miteinander. Ich glaube das mich meine kommerziellen Kunden vor allem wegen meiner Sicht auf die Dinge und meiner Art zu arbeiten buchen, und diese ja vor allem durch meine Ausstellungen oder freie Arbeiten kennenlernen. Daher würde ich eher sagen, das beide sich wirklich gegenseitig in die Karten spielen. 

Fotos: Janina Wagner

Deine Bilder leben von echten, ungeplanten Momenten und einem besonderen Blick auf das urbane Leben. Was fasziniert dich an dieser Art der Fotografie und woran arbeitest du aktuell?


Meine letztes großes Projekt war eine Gruppenausstellung zusammen mit Cyclops in der Aff Galerie unter dem Namen „Krisen von Jetzt“ in der ich nicht nur mehrere meiner Serien gezeigt habe, sondern auch konzeptioniert und kuriert habe. Das war eine tolle, neue Erfahrung und nochmal eine andere Perspektive. Ich liebe es zu kuratieren, mich richtig deep in Themen reinzugehen die nicht meine sind und kann mir gut vorstellen perspektivisch mehr in diese Richtung zu arbeiten. Aber ein aktuelles Fotoprojekt gibt es nicht wirklich. Die bezahlten Arbeiten nehmen mich oft so stark ein, dass wenig Zeit bleibt für freies Arbeiten. So ein bisschen arbeite ich seit Jahren an einer Serie über Süd Berlin. Aber konkret ist da bisher nichts. 


Berlin spielt in deinen Bildern immer wieder eine Rolle. Nach über zehn Jahren als Fotografin in der Stadt: Inwiefern hat sich dein Blick auf Berlin durch die Fotografie verändert und wie findest du deine Inspiration und immer neue Geschichten in einem dir gewohnten Umfeld?

 
Eine Stadt, die ständig so im Wandel ist wie Berlin, wird einfach nie langweilig. Da sich die Themen die mich beschäftigen ständig verändern, verändert sich auch meine Fotografie und damit der Blick auf die Stadt. Meine Themen sind immer etwas gesellschaftskritisch und will auf Probleme aufmerksam machen und davon hat Berlin wohl mehr als genug. Meine ausgestellten Serien sind sehr oft aus einzelnen Shots kuriert und selten so zusammenhängend fotografiert. Mein Archiv ist ein Sammelsurium aus Bildern, die sich irgendwie übergeordnet oft mit den selben Themen auseinander setzen. Das zieht sich natürlich auch im Ausland weiter.

Fotos: Janina Wagner

Street- & Dokumentarfotografie leben vom richtigen Moment. Suchst du gezielt nach Motiven oder lässt du dich komplett intuitiv treiben, wenn du durch die Stadt gehst? Und wie differenzierst du, welcher Augenblick es wert ist, festgehalten zu werden?


Ich lasse mich absolut treiben. Wenn ich frei arbeite, plane ich wirklich gar nichts. Die Bilder finden mich. Ich liebe meine Intuition und lasse mich sehr stark davon leiten, was sich wie anfühlt. Mein Blick fällt automatisch auf Sachen, Menschen, Dinge die mich interessieren. Das kann ein Nonno in Italien sein, der leidenschaftlich sein Sandwich isst. Oder ein abgebrannter Mercedes in Berlin. Oder eine politische Parole auf einer Wand in Paris. Es steckt sehr viel von mir und meiner inneren Welt in meiner Fotografie, da passiert echt fast alles automatisch und sehr schnell. 

Fotos: Janina Wagner

Deine Arbeiten entstehen häufig mitten im Geschehen und aus der Situation heraus. Wie sieht dein typisches Setup aus? Mit welcher Kamera und welchen Objektiven bist du am liebsten unterwegs und worauf legst du bei deinem Equipment besonderen Wert?


Mir ist vor allem wichtig, dass es einfach und leicht ist. Ich mag es gar nicht zu viel Technik mit mir zu haben und zu viel Auswahl überfordert mich schnell.

Analog sind alle Arbeiten mit Point & Shoots auf 35mm aufgenommen. Ein Favorit hier ist die Olympus AF1 Super oder Yashica T5. Digital shoote ich am liebsten mit der Fujifilm x-pro 2, meiner Meinung nach eine der schönsten Kameras ever mit einer 23mm Festbrennweite. Die shoote ich meistens mit einem kleinen Godox it30 Blitz. Mehr brauch ich nicht. Sehr minimalistisch. Vielleicht steht das genau im Gegensatz zu dem, was in mir und meinem Kopf los ist.

Fotos: Janina Wagner

Ein Teil deiner Arbeiten entsteht analog. Was gibt dir die analoge Fotografie, das digitale Kameras für dich nicht ersetzen können? Und beeinflusst dieser bewusste Umgang mit jedem einzelnen Bild auch deine digitale Arbeitsweise?

 

Ich glaube es ist vor allem der Aspekt, dass man doch mehr überlegt, wann man abdrückt. Ich liebe diese Entschleunigung des Mediums. Die Preise für analoge Fotografie sind so hoch geworden, daher überlege ich schon manchmal eine Sekunde länger, ob es der Shot wert ist und ob ich wirklich dahinter stehe. Die Frage ist immer „was kann ich damit anfangen?“ Auch wenn meine Fotografie so intuitiv passiert, ist schon mehr durchdacht oder überlegt, als man annehmen würde. Ich habe aber wirklich seit Jahren keine freien Projekte mehr digital fotografiert, daher ist es für mich einfach ganz normal so zu arbeiten. 

 

Fotos: Janina Wagner

Vielen Dank für einen Einblick und zum Abschluss noch eine letzte Frage: Welchen Rat würdest du jungen FotografInnen geben, die ihren eigenen fotografischen Blick entwickeln und erweitern möchten?


Manchmal gebe ich Workshops für Kids und Jugendliche und der beste Tip den ich habe ist: Übt euch darin Dinge wahrzunehmen. Überlegt, was euch wirklich bewegt und was ihr mit eurer Fotografie sagen wollt und dann fangt einfach an zu beobachten. Wir sind aktuell in einer Zeit die so getrieben und schnelllebig ist, da ist Entschleunigung und wirklich das Beste, was ihr machen könnt, um eueren Blick zu trainieren. Niemand braucht wahnsinnig viel Technik oder teures Equipment um zu fotografieren. Die wahre Stärke liegt im sehen, fühlen und festhalten. Viel Spass dabei :)