INTERVIEW MIT EMMA LU

12.01.2026

INTERVIEW MIT EMMA LU

Emma lebt in Berlin und verbindet ihren Beruf als Surflehrerin und Zahnärztin mit ihrer Leidenschaft für Fotografie. In diesem Interview gibt sie Einblicke in ihren Werdegang, ihren spontanen, analogen Arbeitsstil und wie sie alltägliche Momente in stimmungsvolle Bilder übersetzt. Zudem spricht sie über ihre Herangehensweise an Street- und Lifestylefotografie, den Einsatz von Analogkameras und die Bedeutung von Bauchgefühl, Licht und Atmosphäre für ihre Bildsprache.


Hey Emma! Für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du und was fotografierst du?


Hey na!

Mein Name ist Emma. Ich lebe in Berlin und habe früher mal davon geträumt, Automechanikerin zu werden. Heute bin ich Surflehrerin und Zahnärztin und Fotografie ist meine Leidenschaft. Ich fotografiere, um mich zu erinnern. Meine Fotos sind oft moody Lifestyle- und Stillleben-Aufnahmen. Aktuell liebe ich es, nostalgische, alte Basketballplätze einzufangen, interessante Street- und Beach-Szenen, die einen bestimmten Lebensvibe ausstrahlen und einfach atmosphärisch sind.

Und: Ich liebe alte Autos. Checks out for me, ich meine, mein 10-jähriges Ich wollte früher mal Autos reparieren.. 

Fotos: Emma Lu

Deine Bilder sind oft draußen entstanden, am Meer, unterwegs oder in Bewegung. 
Welche Inspiration steckt hinter diesen Momenten und wie wählst du sie aus?


Oh ja, erstmal gehe ich selten ohne Kamera aus der Haustür, vor allem auf Reisen, die ich zu 99 % am Meer verbringe. Das bringt auch einen gewissen Druck mit, ein gutes Foto mitzubringen, was mich aber motiviert. Meine besten Fotos passieren einfach und das macht sie besonders.

Ich möchte meine Fotos so natürlich wie möglich zeigen, deshalb arbeite ich viel mit natürlichem Licht. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Gespür für moody Momente. Ich höre da immer auf mein Bauchgefühl, wenn ich eine Szene interessant finde. Bei der Streetfotografie kann man nicht viel planen, was ich auch gut finde. Ich bin zu impulsiv, um meine Fotografie zu planen. Ich halte einfach meine Augen offen, bis mir eine interessante Komposition, eine knallige Farbe oder gutes Licht ins Auge sticht.

Ich möchte es nicht jinxen, aber viel entsteht spontan durch Zufall und Glück. Unperfekte
und lebendige Bilder, die zu Alltagsszenen gehören. Im richtigen Moment am richtigen Ort, sozusagen.

Fotos: Emma Lu

Du arbeitest viel analog. Welche Möglichkeiten eröffnet dir Filmfotografie, die digital so nicht entstehen und wie würdest du deinen Bildstil beschreiben?


Tatsächlich fotografiere ich erst seit ca. einem halben Jahr zu 100 % analog und ich liebe es. Es macht so viel Spaß. Ich hatte es vorher immer mal wieder ausprobiert, aber die richtige analoge Kamera für mich gefunden habe ich erst jetzt. Ich finde, zurzeit ergeben sich auch mehr Möglichkeiten in der analogen Szene, grade in Berlin. Das möchte ich nutzen.

Analog nimmt mir irgendwie den Druck, gibt mir mehr Zeit, die Orte zu genießen und nicht jeden Abend die Fotos am Laptop zu bearbeiten. Ich mag es, zu hoffen, dass das Foto gut geworden ist und mein Gefühl dann bestätigt zu bekommen, wenn ich von meinem Lab die Scans bekomme. Das ist immer eine aufregende Vorfreude!

Ich liebe natürlich auch den Grain und ich habe einfach das Gefühl, dass meinen analogen Bildern mehr Leben eingehaucht wird, was ich so mit der digitalen Fotografie nicht bekomme. Dazu kommt der Überraschungseffekt, ob der Fokus mit meiner Point and Shoot Kamera gelungen ist. Vielleicht bin ich auch froh, dass die Postproduktion bei analogen Bildern eigentlich uncool ist und ich nicht viel machen muss.

Ich würde sagen, mein Stil bewegt sich zwischen Street- und Lifestylefotografie. Ich versuche authentische Details in Alltagsszenen stimmungsvoll darzustellen.
Viele Fotos entstehen unterwegs. Meine Freunde meinen, ich sollte versuchen, mehr Menschen auf meinen Fotos einzubeziehen, vielleicht werde ich das in Zukunft mehr machen. 

Fotos: Emma Lu

Wie gehst du an eine neue Fotosituation ran, eher spontan oder mit einer klaren Idee im Kopf?


100 % spontan und impulsiv. Mit Bauchgefühl. Ich kann gut räumlich denken, das hilft mir bei bestimmten Kompositionen natürlich weiter.

Fotos: Emma Lu

Mit welchem Equipment bist du aktuell am liebsten unterwegs? Gibt es eine Kamera, ein Objektiv oder einen Film, auf den du immer wieder zurückkommst?


Ich liebe meine kompakte Olympus MJU II, das ist zurzeit meine analoge go-to Kamera. Sie ist klein und passt in jede Jackentasche. Gestern habe ich eine Limited Edition einer noch nie benutzten Ricoh FF-9SD von 1992 ergattert (eine von 2000 produzierten), mal schauen, was die kann! Für Reisen nehme ich eine digitale Canon EOS 700D von 2013 mit, die habe ich mal von meinem Bruder „geborgt“ und nie zurückgegeben.

Vor einem Jahr habe ich mit einem Foto eine Leica D-Lux 8 gewonnen, aber das Zoom Objektiv ist ehrlich gesagt eher hinderlich für die Fotos, die ich mache. Trotzdem gebe ich sie nicht her!

Ich bin also zurzeit nur mit Festbrennweiten unterwegs: 50mm, 40mm und jetzt 35mm. Ich mag Zoom-Objektive zurzeit nicht so, zu viele Möglichkeiten, zu wenig Spontanität. Ich packe für Reisen ans Meer aus Gewohnheit immer noch mein 70-200mm Teleobjektiv mit ein (früher habe ich oft vom Strand aus fotografiert, dieses Jahr möchte ich in ein wasserfestes Case investieren, um direkt im Wasser fotografieren zu können).

Ich finde, mit einem Tele bekommt man interessante Perspektiven, die ich mit meinem 35mm-Objektiv so nicht wahrnehme. Trotz der neuen Dynamik kommt mein Tele zurzeit leider nicht mehr viel zum Einsatz. 35mm it is!

Fotos: Emma Lu

Deine Fotos wirken sehr natürlich und ungestellt. Hast du einen Tipp für unsere LeserInnen, wie man genau dieses Gefühl in Bildern erzeugen kann?


Ich würde sagen, verlasst euch auf euer Bauchgefühl. Ein gutes Foto ist eines, das etwas in dir auslöst, dich berührt. Es geht um den Moment, die Stimmung, nicht um die technische Perfektion. Wenn Komposition und Farben stimmen, kann auch ein unscharfes Bild funktionieren.

Lasst euch überraschen. Viele StreetfotografInnen shooten aus der Hüfte, was ich nie mache, ich hab immer den Sucher vor meinem linken Auge. Ich achte sehr auf gutes Licht, das ist für mich das A und O, um später in der Bearbeitung fast nichts machen zu müssen.

Fotos: Emma Lu

Social Media ist für viele FotografInnen wichtig, aber auch herausfordernd. Wie nutzt du Instagram für dich, ohne dass es deine Kreativität einschränkt?


Ich habe meine derzeitige Lieblingskamera (Olympus MJU II) über Social Media entdeckt. Dafür bin ich dankbar. Es hilft mir, mich zu connecten, Anregungen zu bekommen und mit meinen eigenen Fotos in der Szene anzukommen. Go Girls!

Ich bin unabhängig in dem, was ich poste und ich möchte auch nicht kommerziell fotografieren. Ich möchte Fotos für mich machen und nur für mich. Weil es Spaß macht und mir guttut. Ich glaube, ich sollte die Menschen in Zukunft noch mehr auf meinem Weg mitnehmen und nicht erst das fertige Foto präsentieren. Die Geschichte hinter dem Motiv erzählen, um euch das Gefühl in den Alltag zu bringen.

Fotos: Emma Lu

Vielen Dank, zum Abschluss... Welche Tipps würdest du weitergeben, die dir selbst fotografisch wirklich geholfen haben?


Dream. Believe. Achieve.

Glaubt an euch! Fotografie ist ein Weg, kein Ziel. Am Ende zählt, ob ein Bild bewegt, nicht ob es perfekt ist. Einfach Kamera schnappen und los geht’s. Mit der Zeit findet ihr euren Stil. Habt Spaß dabei und es gibt so viel auszuprobieren in der Fotografie. Es gibt so viele inspirierende Menschen draußen.

Meine Inspiration hat mit André Josselin angefangen. Ich versuche seit zwei Jahren, einen Schmetterling auf einer alten Motorhaube zu fotografieren. Er hat es geschafft, mein Traum ist es immer noch und bis dahin fotografiere ich alles, was mir ins Auge springt.

Und eins noch: Bevor du den Auslöser drückst, frage dich eins: Fühlst du das Foto? Und: Mach kein analoges Foto zweimal aus der gleichen Perspektive!