02.04.2026
Dominik Friess ist Fotograf aus Berlin und arbeitet vor allem im Bereich der Porträtfotografie.
Seine Bilder zeichnen sich durch eine ruhige, oft melancholische Stimmung aus und zeigen Menschen auf eine sehr direkte und unverstellte Weise.
Im Interview spricht er über seinen eher intuitiven Zugang zur Fotografie, seine Verbindung zur
analogen Arbeit und warum es für ihn wichtiger ist, im Moment zu bleiben, als alles zu stark zu
kontrollieren.
Hey Dominik! Für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du, woher kommst du und wie bist du zur Fotografie gekommen? Und ganz wichtig, erinnerst du dich noch an deine erste Kamera?
Hey - Vielen Dank erstmal für die Einladung! Mein Name ist Dominik Friess und ich wohne in Berlin.
Aufgewachsen bin ich in Bayern. Dort habe ich während meiner Ausbildung zum Werkzeugmechaniker auch das Fotografieren für mich entdeckt. Ganz unverhofft bin ich in einer schwierigen Phase darauf aufmerksam geworden – ich glaube, ich habe unterbewusst nach einer Ausdrucksform gesucht und mit einer
Spiegelreflexkamera angefangen die ersten Fotos zu machen. An meinen ersten Digitalkameras hing ich nicht so sehr, aber ich weiß noch genau wie stolz und beseelt ich damals mit meiner ersten analogen
Mittelformatkamera, einer Mamiya 645, nach Hause kam.




Wenn man durch deine Bilder scrollt, merkt man direkt eine sehr eigene, intime Stimmung.
Wie würdest du deinen Stil selbst beschreiben und was ist dir beim Fotografieren am wichtigsten?
Mir wird häufig gesagt, dass meine Fotografien sehr melancholisch wirken. Ich denke nicht, dass ich bewusst versuche eine melancholische Stimmung zu erzeugen – sie entsteht vermutlich, weil ich unterbewusst auf der Suche nach einem verletzlichen, bzw. unverstellten Ausdruck bin und mir freundliche Bilder oft zu oberflächlich erscheinen. Ich meine nicht, dass es mir immer gelingt, aber so kommt es wahrscheinlich zu dieser vulnerablen bzw. intimen Stimmung.
Wenn ich Personen porträtiere, ist es mir vor allem wichtig eine angenehme und gelassene Stimmung
zu erzeugen. Ich lasse mich gern treiben, um Raum für Zufälle zu schaffen. Oft finde ich dann etwas, das mich intuitiv anspricht, und gehe dem nach. Bilder, die ich selbst am Ende für gelungen halte, entstehen meist dann, wenn ich es schaffe die Sache nicht zu ernst zu nehmen und mein Gegenüber sich fallen lassen kann.




Was reizt dich aktuell mehr: neue Dinge auszuprobieren oder deinen Stil weiter zu verfeinern?
Ich denke, aktuell reizt es mich vor allem, neue Dinge auszuprobieren. Die Fotografie ist eine wunderbare
Möglichkeit die Welt und sich selbst zu entdecken. Ich glaube diese ganze Stilfrage erübrigt sich irgendwann, wenn man einfach fotografiert, austestet und versucht zu spüren, was mit einem selbst resoniert und eine Form von Lebendigkeit erzeugt. Es ist gar nicht so einfach – wir konsumieren heutzutage so unglaublich viele
Medien, und Zahlen gaukeln einem unterbewusst vor, was „gut“ ist. Das alles beeinflusst die eigene Intuition und Naivität, wodurch man das Wesentliche schnell aus den Augen verlieren kann.




Du bist ja auch viel auf Film unterwegs. Was hat dich daran gecatcht und was gibt dir analog, was digital einfach nicht kann?
Als ich angefangen habe zu fotografieren, bin ich ziemlich schnell auf die analoge Fotografie
aufmerksam geworden. Ich denke, dass mich - abgesehen von den Endergebnissen - vor allem das Handwerk fasziniert hat. In meiner Heimat habe ich damals begonnen die ersten Filme zuhause zu entwickeln – erst schwarz-weiß und später dann auch in Farbe. Ich hatte große Freude daran, den ganzen Prozess
kennenzulernen, scannte die Filme selbst und schraubte an alten Kameras rum.
Ich mag die Entschleunigung, die beim Fotografieren mit analogen Kameras entsteht und bin mir sicher, dass das auch einer der Gründe ist, weshalb die Filmfotografie in den letzten Jahren in unserer schnelllebigen Welt wieder an Beliebtheit gewonnen hat. Leider habe ich bisher nur selten Abzüge in der Dunkelkammer gemacht, da würde ich mich gerne irgendwann noch etwas mehr reinarbeiten. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Filme und die Aufregung, bevor man dann endlich die ersten Ergebnisse sieht. Es hat einfach was Magisches, das mich noch immer fasziniert. In letzter Zeit habe ich jedoch weniger zur analogen Kamera gegriffen und die Flexibilität der Digitalkamera sehr zu schätzen gelernt.


Mit welchem Setup bist du aktuell am liebsten unterwegs und gibt es einen Film, zu dem du immer wieder zurückkehrst?
Wie bereits gesagt, habe ich zuletzt weniger analog fotografiert. Ich habe mir vor einigen Wochen eine
alte Fujifilm X30 zugelegt und habe, abgesehen von Auftragsarbeiten, viel Spaß daran, mit der kleinen
Digitalkamera rumzuspielen. Sie ist unglaublich leicht, hat ein Zoomobjektiv und einen Makromodus –
das ist irgendwie erfrischend, nachdem ich in den vergangenen Jahren vor allem auf Festbrennweiten gesetzt habe. Wenn ich aber einen Film nennen müsste, zu dem ich immer wieder zurückkehre, dann wäre es
der Ilford HP5. Der Film hat mich eigentlich noch nie enttäuscht und ist super flexibel.
Viele meiner Lieblingsfotos habe ich auf dem Film fotografiert.


Wie sah dein Weg am Anfang aus, eher planlos ausprobiert oder ziemlich klar
verfolgt? Und gab’s Momente, in denen du dachtest: „Das wird nichts“?
Natürlich war ich am Anfang planlos und musste immer wieder über meinen Schatten springen, um Personen zu fotografieren – vor allem Menschen, die ich vorher nicht kannte. Ich dachte oft: „Das wird nichts“, aber das muss man überkommen. Zu scheitern ist ohnehin unumgänglich – so lernt man schließlich. Wenn man einfach weitermacht und aktiv bleibt, dann kommen die Erfolgserlebnisse von allein. Nichts ist schlimmer, als passiv zu werden und zu viel im Kopf zu sein, auch wenn das natürlich leichter gesagt als getan ist.




Wenn du deine eigenen Bilder anschaust: Woran merkst du, dass ein Foto wirklich funktioniert? Und hat sich dein Blick darauf über die Jahre verändert?
Ich glaube, der Blick verändert sich andauernd. Mit allem, was man sieht und fühlt, sammelt man neue
Erfahrungen und Erkenntnisse, die früher oder später in irgendeiner Form das eigene
Sehen und Schaffen prägen. Konkret zu sagen, weshalb ein Foto für mich funktioniert, fällt mir schwer, aber ein hilfreicher Indikator ist auf jeden Fall mein Gefühl zu dem Foto, wenn ich es mir in verschiedenen
Zeitabständen ansehe. Spricht mich ein Foto zwei oder drei Tage, nachdem ich es gemacht habe,
noch genauso an wie direkt zu Beginn? Nach zwei Wochen? Wenn ich ein Foto nach mehreren Jahren noch mag, dann ist vermutlich etwas dran.


Vielen Dank, zum Abschluss… Was hast du über die Jahre gelernt, das man am Anfang oft unterschätzt?
Es ist unglaublich wertvoll, sich eine gewisse Naivität zu bewahren. Natürlich muss man auch Kritik an sich selbst üben, um weiterzukommen, aber sich ständig zu vergleichen und allzu oft zu zweifeln, schürt meist nur Unmut und raubt der Sache ihren Zauber. Naivität wird in unserer modernen Gesellschaft, so scheint es mir zumindest, häufig negativ konnotiert. Wer naiv ist, der ist unwissend, realitätsfern oder unreif. Doch vor allem, wenn es um Kreativität geht, sind wir darauf angewiesen. Man kann sich selbst ganz schön im Weg stehen, wenn man sich das nicht eingesteht und erhält.