10.03.2026
Annika Yanura ist Fotografin aus Berlin und arbeitet international in den Bereichen Fashion, Sport, Celebrities und Commercial. Ihre Bildsprache bewegt sich zwischen weichen, luxuriösen Looks und starken Portraits, die Menschen auf eine besondere Weise zeigen.
Im Interview spricht sie über ihren Weg in die Fotografie, warum große Produktionen oft nur wenige Minuten für den perfekten Shot lassen und weshalb Erfahrung, ein starkes Team und ein gutes Gespür für Licht am Ende den Unterschied machen.
Hey hey ihr Lieben :)
Ich heiße Annika Yanura und bin Fotografin aus Berlin, aber darf durch meine Arbeit an ganz vielen verschiedenen Orten arbeiten. Fun Fact am Rande, diese Fragen beantworte ich zum Beispiel gerade aus Lappland.
Ich shoote in den Bereichen Fashion, Sport, Celebrities und Commercial. Einen festen Bereich, in dem ich shoote, habe ich daher nicht. Bei mir ist es eher die Bildsprache, die sich durch alle Bereiche zieht. Was genau diese Bildsprache ist, finde ich selber immer schwer zu beantworten. Mir wird allerdings oft gespiegelt, dass meine Bilder soft und luxuriös wirken und Menschen auf eine tiefe und schöne Weise porträtiert werden.
Eigentlich war Fotografie nie mein Plan, denn ursprünglich wollte ich Medizin studieren und Ärztin werden, à la Grey’s Anatomy. Über die letzten Jahre bin ich dann fast zufällig durch verschiedene Bereiche der Fotografiebranche gegangen. Interessanterweise habe ich im Deutschrap angefangen und war viel bei Musikvideos dabei, was eine ganz andere Welt war als meine heutige. Allerdings hilft mir gerade diese Zeit auch sehr viel heutzutage, gerade was unterschiedlichen Menschen und Anforderungen angeht.




Ich muss gestehen, dass ich hier sehr viel Glück habe. Viele meiner kommerziellen Kunden buchen mich gezielt für meine Bildsprache und wünschen sich meinen kreativen Input. Ich bin an dem Punkt, an dem ich eigentlich alle Anforderungen umsetzen kann und gleichzeitig meine Perspektive einbringen darf. Gleichzeitig habe ich über die Zeit ein Gespür für Trends und Ästhetik entwickeln können, was von meinen Kunden wertgeschätzt wird und mir ihr Vertrauen einbringt.
Durch die Sicherheit, die ich durch das Vertrauen meiner Kunden bekomme, muss ich sagen, dass ich kommerzielle Projekte wirklich gerne mag. Trotz dessen mag ich natürlich auch die freie Arbeit, bei der ich neue Dinge ausprobieren und Inspiration testen kann.


Vor ein paar Wochen hatte ich ein Shooting für eine große deutsche Brand mit Profisportlern, während eines Media Days. Das bedeutet, dass nicht nur mein Shooting stattfindet, sondern viele parallel in einer großen Location. Alles ist minutiös getaktet und ich habe nur einen festen Slot, um abzuliefern. In dieser Zeit muss einfach alles sitzen. Posen, Perspektiven und Technik müssen beim ersten Versuch funktionieren. Mein Slot war auf 15 Minuten geplant. Das klingt knapp, aber solche Situationen kenne ich inzwischen gut und ich habe alles entsprechend vorbereitet. Allerdings kam es bei anderen Sets vor mir zu Verzögerungen und überall wurde Zeit gestrichen. Am Ende hatte ich etwa drei Minuten für die Shots.
Natürlich bin ich in solchen Situationen relativ angespannt und nervös. Allerdings hilft es mir enorm zu wissen, dass ich schon viele solcher Produktionen durchgemacht und verschiedene Situationen erlebt habe. Durch diese Erfahrungen kann ich auch in so einer Situation routiniert handeln und in nur 3 Minuten die notwendigen Bilder shooten.
Für mich ist es ab einem gewissen Punkt genau diese Erfahrung, die mir bei den Shoots für großen Brands hilft, Ruhe in meine Arbeit zu bringen.




Da kommen mir zwei große Privilegien zugute.
Zum einen wohne und arbeite ich schon 7 Jahre in Berlin als Fotografin. Die Teams wechseln zwar, allerdings kenne ich die Leute mit denen ich zusammenarbeite oft schon durch vorherige Jobs oder Events. Die Kunden kenne ich auch schon öfter von vorherigen Jobs.
Zum anderen darf ich eigentlich immer mit sehr talentierten, netten und hilfsbereiten Menschen zusammenarbeiten.
Beides zusammen sorgt dafür, dass ich eine große Sicherheit bei Produktionen spüre, einfach weil ich weiß “Ich kenne meine Leute und alle sind gut.”
Eine Sache muss ich aber auch sagen: Ich zweifle trotzdem auch noch an mir und bin unsicher vor Jobs. Was mir dann hilft, sind tolle Freunde und meine Familie, die mir Rückhalt geben und mich ermutigen. Am Ende kann man vieles selber, man braucht aber vor allem auch ein gutes Team um sich herum.


Social Media spielt in der Branche inzwischen eine riesige Rolle, kann aber auch ganz schön stressen. Wie gehst du damit um, ständig Content zu zeigen, dabei sichtbar zu bleiben und gleichzeitig nicht in der Reizüberflutung von Instagram & Co. unterzugehen?
Grundsätzlich gehe ich recht entspannt mit Social Media um, weil es sich für mich ziemlich natürlich anfühlt. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass viele meiner Freunde Influencer oder Content Creator sind. Dadurch bin ich sowieso viel auf Instagram und TikTok unterwegs und setze mich selbst nicht so sehr unter Druck, ständig posten zu müssen. Gleichzeitig liebe ich den Austausch über Social Media. Wenn ich bei meinen Kollegen und Freunden sehe, woran sie gerade so Tolles arbeiten, versuche ich immer direkt zu schreiben und zu unterstützen.
Allerdings versuche ich natürlich trotzdem auch kritisch gegenüber den Plattformen und einzelnen Mechanismen darauf zu sein. Ich selber neige sehr zu Doomscrolling, was ich auch stark an mir kritisiere haha :)




Über diese Frage habe ich wirklich lange nachgedacht. Klar, die erste Kamera war ein entscheidender Moment. Aber danach gab es nicht diesen einen großen Durchbruchsmoment, keinen einzelnen Augenblick, der alles verändert hat. Ich glaube eher, dass es viele kleine Schritte waren. Es war dieses konstante Weitermachen - das nächste Projekt, der nächste Schritt, immer weiter.
Das bedeutet auch investieren. Ich habe viel Zeit, Energie und Geld in freie Projekte gesteckt, um meine eigene Vision weiterzuentwickeln und zu schärfen.




Vielen Dank, zum Abschluss…Welche Tipps würdest du jungen FotografInnen/VideografInnen, die gerade erst loslegen, mit auf den Weg geben, die dir selbst in deinen Anfängen geholfen hätten?
Einfach anfangen - hol dir einfach irgendeine Kamera. Ich werde oft nach Equipment gefragt, aber gerade am Anfang sollte man sich darüber nicht zu viele Gedanken machen. Ich sage immer, nimm das, was dein Budget hergibt, spezielles Equipment braucht man erst ab einem gewissen Punkt oder bei großen Produktionen mit bestimmten technischen Anforderungen.
Mit dieser Kamera ist es wichtig, einfach zu starten, lernen und die ersten Projekte umsetzen. Mit der Zeit lernst du deine eigene Vision kennen und merkst ganz von selbst, was dir fehlt - vielleicht eine andere Brennweite oder zusätzliche Lichter.
Ein weiterer ganz zentraler Punkt: Lerne Licht. Lerne es zu sehen und zu verstehen, wie Bilder entstehen und darüber geformt werden.
Und zuletzt Geduld. Das fällt mir selbst noch schwer, weil ich auch immer schneller weiter und größer will. Aber du kannst nicht einfach in große Projekte springen, wenn Erfahrung und Routine noch fehlen. Sonst funktioniert etwas nicht und du beginnst, an dir zu zweifeln. Besser ist es, erst bei freien Projekten Sicherheit aufzubauen und dann Schritt für Schritt zu wachsen :)